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Die bewegende Geschichte von Melanie Hammer

In unserer letzten Haus Night am 25.05.2022 durften wir Frau Melanie Hammer bei uns willkommen heißen. Sie teilte mit uns die doch sehr bewegende Geschichte ihres Eintritts ins Familienunternehmen, erzählte uns eindrucksvoll von den Höhen und Tiefen ihres Lebens und vor allem auch von den Lehren, die sie aus ihren Erfahrungen ziehen konnte!

Die Zeit nach dem Abitur

Nach ihrem Abitur entschied sich Frau Hammer für ein Architekturstudium an der TU München und der EPFL in Lausanne. Parallel arbeitete sie in Architekturbüros und am Lehrstuhl von Prof. Reichenbach-Klinke und durfte zusätzlich während des Studiums im damaligen Unternehmen ihres Vaters, der BHB Unternehmensgruppe, mitarbeiten. Die BHB Unternehmensgruppe ist ein Münchner Bauträger, welcher die Entwicklung, Planung und Realisierung von Bauprojekten in München und Umgebung verantwortet. Ihre Tätigkeit im familieneigenen Unternehmen empfand Frau Hammer zunächst jedoch als weniger spannend. Sie selbst beschreibt sich als ein „Kreativkopf“, weshalb sie sich zunächst mit der Tätigkeit als Projektentwicklerin nicht identifizieren konnte und diese Tätigkeit für sich persönlich als zu „unkreativ“ empfand.

Neben seinNachdem sie ihr Architekturstudium erfolgreich abgeschlossen hatte und einige Zeit bei „Agropolis München“ – einer Bürogründung aufgrund eines gewonnenen Wettbewerbs – mitgearbeitet hatte, kam ihr Vater erneut auf sie zu uns sagte zu ihr:

„Jetzt hast du fliegen gelernt, jetzt lerne mal bauen!“

Sie hatte sich lange überlegt, ob sie ihren beruflichen Werdegang nach dem Studium wirklich im Familienunternehmen beginnen möchte. Obwohl sie von ihrer Tätigkeit im Familienunternehmen während ihres Studiums nicht restlos überzeugt war, entschied sie sich dennoch, nochmals im Familienunternehmen zu arbeiten. Sie wollte die Chance nutzen, direkt nach dem Studium praktische Erfahrungen zu sammeln, unter dem Vorbehalt, dass dies eine Art Test – oder wie sie es nannte: ein Experiment – war. Der Plan war, dass sie das Unternehmen noch einmal besser kennenlernt und ohne Druck entscheidet, ob die Tätigkeit im Unternehmen zu ihrer beruflichen Vorstellung passt. Somit wurde der Einstieg in das Familienunternehmen eher als eine Option angesehen, um früh einen umfangreichen Einblick in die Branche zu erhalten und weniger als der Beginn der Nachfolge im Familienunternehmen. Auch ihr Vater war sich nicht sicher, ob dieser Job den Interessen seiner Tochter entspricht und hatte demnach für sich auch nie einen Verkauf des Unternehmens ausgeschlossen. Er empfand den Verkauf des Unternehmens vielmehr als eine „easy Exit“ Option. Daraufhin folgten drei Jahre, in denen Frau Hammer einige Bereiche im Unternehmen kennenlernte und die gewünschten Erfahrungen sammeln dufte. Dennoch wollte sie nach diesen drei Jahren im Familienunternehmen einen neuen beruflichen Schritt wagen und das Unternehmen verlassen. Ihr Vater unterstütze sie in ihrem Vorhaben.

Doch dann kam alles anders…

Frau Hammers Vater, der damalige Geschäftsführer der BHB Unternehmensgruppe, verstarb überraschend im Sommerurlaub. Was jetzt? Das Leben der Familie veränderte sich von einem auf den anderen Tag und alles stand Kopf. Ein Glück für die Familie und vor allem für das Unternehmen war jedoch, dass ihr Vater einen Notfallplan verfasst hatte und seiner Tochter, Melanie Hammer, eine Generalvollmacht ausgeschrieben hatte. Dieser Notfallplan gab Frau Hammer in der ersten Zeit nach dem Tod ihres Vaters eine Orientierung, was nun die nächsten Schritte im Familienunternehmen sein sollten. Dieser Plan sah vor, dass Frau Hammer nun erstmal das Unternehmen stabilisieren und die Projekte weiterführen sollte, mit dem Ziel, das Unternehmen möglichst schnell zu verkaufen. Doch der Verkauf des Unternehmens gestaltete sich als sehr schwierig. Als Bauträger und Projektentwickler ist man genau so viel wert, wie die Bauprojekte, die man verantwortet, verrät uns Frau Hammer. Und mit dem Tod ihres Vaters war ein essentielles Asset des Unternehmens nicht mehr da, wodurch das Unternehmen für Interessenten destabilisiert schien und somit ein Kauf des Unternehmens von Kaufinteressenten als riskant eingeschätzt wurde. Zusätzlich wären hohe Kosten durch den Verkauf des Unternehmens und der damit einhergehenden Erbschaftssteuer auf die Familie zugekommen. So war es auch eine wirtschaftliche Überlegung, die Verschonungsregeln zu nutzen und das Unternehmen weitere fünf bis sieben Jahre in Familienbesitz zu halten. Und so nahm die Unternehmensgeschichte der BHB Unternehmensgruppe ihren weiteren Verlauf. Frau Hammer nahm sich der Rolle als Geschäftsführerin an und suchte sich die Unterstützung, die sie für eine erfolgreiche Unternehmensführung benötigte. So ist Frau Melanie Hammer noch heute – 8 Jahre später – geschäftsführende Gesellschafterin im Familienunternehmen und führt das Vermächtnis ihres Vaters erfolgreich weiter.

Tipps von Frau Melanie Hammer für uns Next Gens

  1. Man sollte sich als Senior- und Juniorgeneration Spielregeln setzen, beziehungsweise einen Zeitplan definieren und gegenseitig Freiräume schaffen.
  2. An die Seniorgeneration: Schenkt den Nachfolger Vertrauen, weil sich das Vertrauen in den Junior auch auf die Mitarbeiter überträgt und so der Einstieg ins Familienunternehmen deutlich leichter fällt. Und an die Juniorgeneration: Nehmt euch (gesetzt dem Fall, ihr wollt in das Familienunternehmen einsteigen) mit Freude der Chance an, das Unternehmen in der nächsten Generation weiterführen zu dürfen.
  3. Notfallpläne sind gut und sollten innerhalb der Familie besprochen werden. Dabei sollte auf binäre Vorgaben/Entscheidungen (wie in unserem Fall: der Verkauf des Unternehmens) verzichtet werden.

Eines ist durch diese Haus Night nochmals deutlich geworden: Das Leben schreibt seine ganz eigenen Geschichten, die man auch nicht alle beeinflussen kann. Aber es kommt darauf an, sich dieser anzunehmen, in welcher Form auch immer. Auf uns, Next Gens, werden noch viele Veränderungen und Herausforderungen zukommen, sei es im privaten, aber auch im beruflichen Kontext, auf die man sich nicht vorbereiten kann, sondern zur gegebenen Zeit individuell für sich lösen muss. Frau Hammer ist ein inspirierendes Beispiel dafür, dass Herausforderungen, beziehungsweise Probleme, so groß sie auch anfangs erscheinen mögen, irgendwann zu lösen sind – man benötigt nur eine große Portion Mut!

Danke, Melanie Hammer, für das unfassbar offene und ehrliche Gespräch!

Geschrieben von Lisa Winkler, Head of Science & B2B bei Haus Next

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