Haus Next

Will ich? Oder will ich nicht?

Wir beginnen das Jahr 2022 mit einer Neuigkeit bei Haus Next:

Für das neue Jahr haben wir vier Schwerpunktthemen definiert, welche wir bei Haus Next Insights durch unterschiedliche Medien bespielen werden. Es wird sich bei Haus Next um verschiedene Zukunftsthemen drehen. Unternehmerische Zukunftsthemen, wie Nachhaltigkeit sowie Krisen und Resilienz, aber auch um die persönlichen Zukunftsthemen von Next Gens, wie etwa dem Einstieg in das Familienunternehmen und Frauen in Führungspositionen in Familienunternehmen. Heute beginnen wir mit dem Thema „Einstieg in das Familienunternehmen“. Dieser Artikel ist als Beginn in dieser Themenreihe gedacht und beginnt daher mit einigen Gedanken zu diesem Themen von unserer Gründerin Dinah.

Gedanken zu der Zeit vor dem „Einstieg“ in das Familienunternehmen

Was heißt denn überhaupt „Einstieg in das Familienunternehmen“?

Oftmals ist die Rolle von uns, Next Gens, ja schon vordefiniert. Meistens nennt man uns auch: Nachfolger:innen. Dadurch wird bereits deutlich, dass wir nachfolgen werden. Die Sache scheint entschieden. Doch dürfen wir nicht erstmal einfach Next Gens einer Unternehmerfamilie sein und unsere eigene Rolle definieren? Oder vielleicht einfach nur Kind einer Familie sein? Wir, Next Gens, brauchen Unterstützung herauszufinden, was wir wollen, was wir können, was wir aber auch dürfen. Es ist keine Einbahnstraße.

Sind wir der Verantwortung gewachsen? 

Verantwortung. Ein gutes Stichwort. Die Frage nach Verantwortung. Uns, Next Gens, wird immer gesagt: „Ihr habt große Verantwortung!“ – ohne uns genau zu definieren was das eigentlich heißt. Woher sollen wir das auch wissen? Vielen von uns wird dieser Satz das erste Mal im Teenageralter gesagt. Doch von welcher Verantwortung sprechen wir da eigentlich? Manche würden sagen: „Keine – bis du dich zum Einstieg entschieden hast“. Aus meiner Sicht haben wir von Beginn an Verantwortung. Wir haben die Verantwortung uns einfach mit dem Thema Familienunternehmen auseinanderzusetzten und zu lernen, was dies bedeutet. Wir haben die Verantwortung herauszufinden, ob Unternehmertum etwas für uns ist oder nicht. Und schlussendlich haben wir die Verantwortung eine klare Entscheidung zu treffen, in welcher Form auch immer wir aktiv das Familienunternehmen mitgestalten wollen. Denn nur so, können alle Beteiligten planen.  

Die eine zentrale Frage, mit der wir uns, Next Gens, also vor dem Einstieg beschäftigen ist: Will ich? Oder will ich nicht? Diese Frage begleitet viele von uns wahrscheinlich schon Jahre. Hin und her gerissen zwischen dem Wunsch die Familientradition aufrechtzuerhalten, dem Respekt vor der Verantwortung und aber auch dem Streben nach Selbstwirksamkeit. Selbstverwirklichung. Muss ich Erfüllung im Familienunternehmen finden, um da gestaltend tätig zu sein? Oder gibt es auch andere Möglichkeiten? Ist es auch möglich die Frage aus der Vermächtnisperspektive zu betrachten? Einfach Spaß daran zu haben, die Tradition aufrecht zu erhalten? Und diese Tradition weiter in die Zukunft zu tragen und für seine Kinder die Familienlegacy weiterzuführen? Denn am Ende des Tages ist man eigentlich nur ein Weiterträger. Es gehört einem eigentlich nichts, sondern man bekommt die Aufgabe das Vermächtnis für eine Zeit lang für die nächste Generation zu schützen und weiterzuentwickeln. Doch reicht dieser Wunsch, den wahrscheinlich die meisten haben, tatsächlich voller Leidenschaft das Familienunternehmen weiterzuführen?

Weiterhin hilft es auch sich die Frage zu stellen:  Wer bin ich ohne das Familienunternehmen? Was würde ich eigentlich tun, wenn es das Unternehmen gar nicht geben würde? Würde ich trotzdem unternehmerisch tätig sein? Und wenn ja, auch in der gleichen Branche?

Eine weitere Frage ist auch: Kann ich das überhaupt? Wie kann ich am besten meine Kompetenzen und Erfahrungen einbringen? Ist eine operative Rolle im Familienunternehmen das richtige? Kann ich vielleicht ein externes Venture gründen, welches als ein Tochterunternehmen des Familienunternehmens agiert, wo ich mich erstmal unternehmerisch kennenlernen kann? Oder sollte ich doch eher eine Beiratsfunktion bzw. eine beratende oder mediierende Rolle einnehmen?

Fragen über Fragen. Und ich weiß, es scheinen große Fragen zu sein. Doch wir haben die Verantwortung uns diesen Fragen zu stellen und eine Entscheidung zu treffen. Aber wir sind nicht alleine. Die größte Hilfe diese Fragen zu beantworten? Mit anderen Next Gens darüber zu sprechen.

Es ist auch immer eine Chance…

Gedanken zu der Zeit nach dem „Einstieg“

Die Entscheidung zum Einstieg – egal in welcher Rolle oder Funktion – scheint für uns, Next Gens, die erste große Hürde zu sein. Und das ist auch schonmal ein erster großer Step. Wir können jetzt kurz einmal durchatmen und Stolz sein: Denn man hat eine Entscheidung getroffen!

Viele dachten, dass mit der Entscheidung, eine Funktion im Unternehmen übernommen zu haben, schonmal ein großer Schritt getan ist. Und das ist es auch. Aber man darf nicht naiv sein. Jetzt geht es erst richtig los. Fragen wie: Wie sieht der Einstieg operativ aus? Was mache ich eigentlich am ersten Tag? Wie reagieren die Mitarbeiter? Ist das die richtige Position? Wie kommuniziere ich richtig? Duzen oder Siezen? Welche Veränderungen möchte ich umsetzten?

Fragen über Fragen. Doch was sind die Antworten? Ich wünschte ich könnte euch einen idealen Weg aufschreiben. Ich komme ursprünglich aus der Wissenschaft. Eigentlich müsste diese uns doch den idealen Weg und die idealen Antworten geben. Aber das geht leider nicht. Jede Geschichte und jeder Weg ist zu individuell. Sicherlich gibt es Ansätze und Regeln, die man beachten sollte, aber eine Anleitung gibt es nicht.

Das wichtigste aus meiner Sicht ist es in den ersten Monaten zu verstehen. Schaff dir einen Überblick: Wie laufen die Prozesse? Wer kommuniziert mit wem und wieso? Sieh genau hin und lerne erstmal demütig. Anschließend kommt die Erkenntnisphase. Du erkennst, dass du Dinge anders machen würdest. Nun musst du gemeinsam mit der Seniorgeneration einen Weg finden, wie du in den Fahrersitz kommst und die Seniorgeneration den Beifahrersitz übernimmt. Finde stückweise heraus: Wie kann ich das Unternehmen zu meinem machen? Dadurch kommst du in die Gestaltungs- und Umsetzungsphase. Wichtig ist es hier alle Stakeholder mitzunehmen und abzuholen. Du brauchst die Mitarbeiter an Board, sonst wirst du deine Ideen für dein Familienunternehmen nicht umsetzten können.

Geschrieben von Dinah Spitzley, Gründerin von Haus Next

Das könnte dich auch interessieren.