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Kommt Rat? Clarissa-Diana de Grancy bei Haus Topic über Aufsichtsrat und Beirat

„Zukunftsgestalterinnen und -gestalter, die wissen, was sie wollen, stellen sich nicht mit anderen in die Wartehalle. Sie machen sich die Tür zum Boardroom selber auf“, findet unser Gast des letzten Haus Topic am 25. August. Clarissa-Diana de Grancy erzählt uns, was die Arbeit von und in einem Aufsichts- oder Beirat auszeichnet, welche Chancen und Herausforderungen sie bedeutet – und warum gerade die Next Gen gefragt ist, für einen Wandel hin zu mehr Diversität die Ärmel hochzukrempeln. Außerdem gibt sie wertvolle Tipps für Next Gens, die in einem Rat – im eigenen oder sogar im fremden Unternehmen – tätig werden möchten. 

Laut Daten des Women-on-Board-Indexes sind in 186 börsennotierten Unternehmen in Deutschland nur 35,9% der Posten im Aufsichtsrat mit Frauen besetzt – in den Unternehmen mit verpflichtender Frauenquote. In Unternehmen ohne Quote sind es sogar nur 24,5%. Als Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin von Women’s Boardway setzt sich Clarissa-Diana de Grancy dafür ein, dass Frauen sich nachhaltig in deutschen Aufsichts- und Beiräten etablieren. Boards, die sich hauptsächlich aus älteren Männern mit betriebswirtschaftlichem oder juristischem Hintergrund zusammensetzen, die über „Family & Friends“ besetzt werden, gehören der Vergangenheit an. Vielmehr braucht es heute eine diverse, interdisziplinäre und generationenübergreifende Besetzung der Aufsichts- und Beiräte. Schließlich versteht die passionierte Netzwerkerin de Grancy die Arbeit in einem solchen Gremium als Hebel, über den wichtige Veränderungen im Unternehmen herbeigeführt werden können. 

Nicht zuletzt durch den Wirecard-Skandal wurde die Verantwortung von Aufsichtsräten in Deutschland angeregt diskutiert. Doch für was genau sind eigentlich Gremien wie Aufsichts- und Beirat im Unternehmen zuständig? Der Aufsichtsrat ist ein ab 500 Mitarbeitenden gesetzlich vorgeschriebenes Unternehmensorgan, das die Geschäftsführenden kontrolliert und berät. So soll sichergestellt werden, dass die Vorstände sorgfältig und gewissenhaft ihrer Arbeit nachgehen. Mehrmals jährlich gibt es Aufsichtsratssitzungen, der Arbeitsaufwand liegt bei etwa 2-3 Stunden die Woche (in Krisenzeiten deutlich höher).

Der Beirat hingegen wird freiwillig eingerichtet und gehört rechtlich nicht zu einer Gesellschaft dazu. Die Aufgabe von Beirätinnen und Beiräten besteht darin, die Geschäftsführung zu berufen, ihre Kompetenzen festzulegen und sie zu beraten. Obwohl der Beirat also keine Pflicht ist, hat er viele Vorteile für ein Unternehmen: Ein Beirat steht der Geschäftsführung bei vielen wichtigen Entscheidungen, wie etwa der Nachfolge, zur Seite und liefert eine kompetente, unabhängige Perspektive auf die Prozesse im Unternehmen – und kennt es dabei im Zweifel deutlich besser, als es eine Unternehmensberatung tut. Umso wichtiger ist es auch heute, dass ein Beirat nicht nur divers, sondern auch gut ausgebildet ist und wichtige Fähigkeiten wie etwa Mediationsexpertise mit an den Tisch bringen kann. 

Andersherum kann es auch für die nächste Generation im Familienunternehmen eine besonders bereichernde Erfahrung sein, in einem Aufsichts- oder Beirat tätig zu werden. Wer sich eine entsprechende Tätigkeit vorstellen kann, sollte kritisch hinterfragen, wann, wo und warum ein Mandat sinnvoll ist – und wie gut man selbst dafür geeignet ist. Clarissa-Diana de Grancy schlägt vor, sich zum Beispiel die Fragen zu stellen, was der eigene Markenkern ist, welche Führungsqualitäten man mitbringt oder ob man sich eher für ein Start-Up, einen Großkonzern oder ein Familienunternehmen begeistert. Für Next Gens empfiehlt die Expertin, sich auch für ein familienfremdes Unternehmen, möglicherweise sogar in einer ganz anderen Branche zu positionieren. So werden außerhalb des familiären Wirkungskreises die eigenen Fähigkeiten geschult – außerdem hilft die Erfahrung, persönliche Ziele zu identifizieren und die eigene Rolle im Familienunternehmen so besser zu finden. 

Ist das Wunschmandat identifiziert, geht es darum, auf dem Markt sichtbar zu sein, um die Chancen einer Berufung zu erhöhen. „Menschen lieben Schubladen“, sagt Clarissa-Diana de Grancy, daher sollte jede und jeder so etwas wie einen roten Faden in seiner beruflichen Laufbahn herausarbeiten können. Aber: man sollte es seinem Gegenüber auch nicht zu einfach machen. Dass dies leichter gesagt als getan ist, weiß auch unser Haus Topic Gast – und hat das Angebot „BoardFlight“ ins Leben gerufen. Über das Peer-Coaching-Format „BoardFlight“ werden Pop-up-Boards aus Mandatsinteressierten für Unternehmen gebildet, die kurzfristige, qualifizierte Unterstützung bei aktuellen Herausforderungen brauchen. So können sich beide Seiten kennen lernen – und möglicherweise in Zukunft auf ihr neu gewonnenes Netzwerk zurückgreifen.  

Solche Netzwerke sind insbesondere für Frauen wichtig, wenn es darum geht, alte Rollenstereotypen zu überwinden und durch Kommunikation und Haltung bestehende Strukturen in den Gremien aktiv zu verändern. Keine leichte Aufgabe – doch statt die Herausforderung zu scheuen, sollte die Next Gen aus deutschen Unternehmerfamilien den Mut haben, neue Wege zu gehen. Nicht nur für die persönliche Weiterentwicklung und die lehrreichen Erfahrungen für das eigene Familienunternehmen, sondern auch, weil die Tätigkeit in einem Board wichtige gesellschaftliche Verantwortung ist. „Gremienarbeit ist Arbeit“, betont Clarissa-Diana de Grancy, aber sie sei vor allem auch Zukunftsgestaltung.

Wir bedanken uns bei Clarissa-Diana de Grancy für die spannenden Einblicke. Abonniert unseren Newsletter, um in Zukunft kein Haus Topic zu verpassen!

Geschrieben von Mara Bartling, Autorin bei Haus Next Insights

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