Haus Next

Im Gespräch mit Kiara Holz

Wir sprechen mit Next Gens aus Unternehmerfamilien über die eigene Rolle und Tipps für die Rollenfindung.

Kiara Holz Großvater gründete 1970 in seiner Garage, in der Nähe von Stuttgart, den „Manfred Holz Werkzeugbau“. Schnell folgte der erste Umzug in einen Werkstattanbau und dann, 1991, in eine eigene Produktionshalle. So entwickelte sich das Unternehmen vom Werkzeugbau zum Fertigungsbetrieb und arbeitete unter anderem mit schwäbischen Großkunden wie Mahle, Bosch, Stihl und AMG zusammen. 1996, als Kiara Holz Vater, Jürgen Holz, 32 Jahre alt war, gründete er „Holz engineering“, ein selbstständiges Konstruktionsbüro. Daraus entstand in den 2000ern die Spezialisierung für Sondermaschinen – So wurde das jetzige Familienunternehmen, „HOLZ automation“, geboren.

Wir haben mit Next Gen Kiara Holz, Bachelor Studentin, Schwester von drei Brüdern und mitten im Entscheidungsprozess für oder gegen die Nachfolge im Familienunternehmen, über den offenen Nachfolgeprozess und ihre persönliche Rollenfindung gesprochen. 

Wie haben Sie das Familienunternehmen in Ihrer Kindheit wahrgenommen und welche prägenden Elemente gab es in ihrem Werdegang?

Schon als kleines Mädchen war es aufregend für mich meinen Vater im Unternehmen zu besuchen. In meiner Kindheit hatte ich nicht das Gefühl, mein Vater hätte zu wenig Zeit gehabt. Da das Unternehmen sehr nah ist, kam er meistens zum Mittagessen nach Hause und auch nach der Arbeit war er so schnell zuhause. Mit 17 habe ich angefangen im Unternehmen zu jobben. Hier habe ich zuerst als Aushilfe in der Konstruktion gearbeitet und dann über die Jahre auch in der Verwaltung, Logistik und im Einkauf. Ich hatte immer viel Freude bei der Arbeit und dabei, die Mitarbeiter/innen zu kennen. Für mich war, und ist es spannend zu sehen, was mein Vater sich da aufgebaut hat und was sie gemeinsam als Unternehmen erreichen. 

Sie sind noch nicht ins Familienunternehmen eingestiegen, aber wann und wie hat sich der Wunsch entwickelt und gefestigt, dies in Zukunft tun zu wollen und inwiefern hat das die Wahl Ihrer Weiterbildung nach der Schulzeit beeinflusst? 

Diese Frage ist für mich noch unbeantwortet. Seit ich ein kleines Mädchen bin, gibt es einen kleinen Funken in mir, der das ganze ziemlich großartig findet. Dieser Funke ist bisher nicht erloschen. Nach meinem Abitur habe ich sieben Monate im Ausland gelebt. Als ich zurückkam und mich damit auseinandersetzte und informierte, wie es nun weitergehen soll, hatte ich die Gelegenheit das Kernteam unseres Familienunternehmens auf eine Tagung einer Unternehmensberatung zu begleiten. Hier ging es um die zukünftige Arbeitswelt, Change Management und Organizational Transformation. Das hat mich total begeistert und so habe ich mich für die Studiengänge Wirtschaftspsychologie und Internationale Betriebswirtschaftslehre beworben. Nun studiere ich inzwischen im 6. Semester Internationale BWL mit der Vertiefung HR, Change Management und Business Transformation. Momentan absolviere ich ein Praxissemester in einem Automobilkonzern und lerne viel darüber, wie ich gerne einmal arbeiten möchte. Daher stehe ich momentan mitten im Entscheidungsprozess was den Einstieg ins Familienunternehmen angeht. 

Was nehmen Sie als größte Herausforderung als potenzielle Nachfolgerin im Familienunternehmen im Nachfolgeprozess und der Rollenfindung wahr?

Im Falle, dass dies eintreten wird, werde ich mich auf jeden Fall damit auseinandersetzen müssen, dass ich nicht der Ersatz für meinen Vater bin und auch nicht als Ersatz gesehen werde. Außerdem denke ich, dass die Erwartungen anderer (Mitarbeiter/innen oder Außenstehende) eine Herausforderung sein werden. 

Wie wird in Ihrer Familie über den Nachfolgeprozess kommuniziert und wie gehen Sie dabei mit Ihren Geschwistern um?

In den vergangenen Jahren haben wir uns als Familie und auch einzeln zusammengesetzt und uns dabei verschiedene Szenarien angeschaut was die Nachfolge angeht. Außerdem hat mein Vater meinen Brüdern und mir kommuniziert, dass er uns totale Freiheit gibt, indem was wir gerne arbeiten möchten und darin, ob wir ins Familienunternehmen eintreten oder nicht. Wir sprechen gemeinsam als Familie über diese Prozesse und Themen, daher gehe ich mit meinen Geschwistern nicht anders um. 

Wenn Sie zukünftigen Next Gens eine Weisheit für ihre eigene Rollenfindung mitgeben könnten, welche wäre das?

Herauszufinden, ob es etwas gibt, dass einen tief drin wirklich begeistert und man eine Sinnhaftigkeit dahinter sehen kann. Das funktioniert am besten, indem man Erfahrungen sammelt – Im eigenen Familienunternehmen und in anderen Unternehmen, die sich in Branche und Größe unterscheiden. Praktika haben mir während meines Studiums sehr geholfen eine innere Richtung dafür zu bekommen, wo, wie und was ich arbeiten möchte. Das macht das Studentenleben oft etwas stressiger, aber gleichzeitig auch sehr viel reicher. Zu lernen was man nicht will ist dabei genauso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger als nur zu wissen was man fürs spätere Berufsleben gerne möchte. Was genauso wichtig für mich ist und war, ist es zu hinterfragen, aus welchen Gründen man ins eigene Unternehmen einsteigen möchte. Fühlt man sich in eine Rolle hineingedrängt? Hat man selbst auch mal erwägt etwas anderem nachzugehen? Will man nicht enttäuschen? Etc… Diese Fragen haben mir geholfen eine innere Richtung und Sicherheit zu haben, im Hinblick auf meine Rollenfindung und dem Entscheidungsprozess für die Nachfolge im Unternehmen.  

Interview von Maya Bernhard, Autorin bei Haus Next Insights

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