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Ehepartner in Familienunternehmen

Willkommen bei Next Gen Unplugged! Unser Format, das deine Wünsche, deine Sorgen und deine Fragen zu deiner Rolle in der Unternehmerfamilie behandelt.

Sie sind emotional verbunden mit dem Familienunternehmen, zeigen Engagement und sind doch meist unsichtbar und werden nicht bezahlt. Sie sind „mittendrin“ statt „nur dabei“. Ein Personenkreis der von immenser Bedeutung für das Unternehmen ist und doch kaum Beachtung findet – die Rede ist von angeheirateten, passiv tätigen Familienmitgliedern. Auch in der Forschung bleiben Ehepartner meist unbeachtet und wenn über sie berichtet wird, werden Angeheiratete tatsächlich nie persönlich nach ihrer Auffassung und Meinung gefragt – so wird zwar über sie geredet, aber nie direkt mit ihnen. Genau deshalb hat die auf Familienunternehmen spezialisierte Strategieberatung Weissman & Cie in Kooperation mit der Universität Passau eine qualitative Studie zu dem Thema „Der Einfluss passiver Ehepartner in Familienunternehmen“ durchgeführt. Zwischen Juli und September 2019 wurden zehn Interviews mit ausgewählten Ehepartnern geführt, um ihren (in-)direkten Beitrag für das Familienunternehmen näher zu untersuchen. Durch die Offenheit der Interviewpartner konnte durch die Studie ein tiefer Einblick in das persönliche Lebensumfeld, in dem Familie und Familienunternehmen in einer Wechselbeziehung stehen, gewährt werden. 

Dabei hat sich das Rollenbild des passiven Ehepartners in den letzten Jahren gewandelt, da die traditionelle Sichtweise, dass auch hinzukommende Familienmitglieder ihre Arbeitskraft komplett dem Familienunternehmen zur Verfügung stellen, zunehmend an Bedeutung verliert und dafür der Wunsch nach individueller Selbstentfaltung und eigener finanzieller Unabhängigkeit zunehmen. Das führt insgesamt dazu, dass Ehepartner öfter einen Beruf außerhalb des Unternehmens ausüben und daher auch häufiger die Rolle des passiven Ehepartners einnehmen.

Ob und wie beeinflussen angeheiratete Familienmitglieder das Unternehmen und die Unternehmer? Welche Motivatoren und Gründe sind ausschlaggebend für ihr Verhalten? Welche Optionen haben Familienunternehmer, um das volle Potential von Ehepartnern zum Vorteil von Unternehmen, Unternehmer und Familie zu nutzen?

Die Rollen des passiven Ehepartners im Kontext des Familienunternehmens 

Aktuelle Probleme besprechen Ehepartner meist täglich oder zumindest mehrmals die Woche, meist zu Hause, häufig beim Abendessen. Bei anderen findet der Austausch nur statt, wenn der Ehepartner aktiv auf das Familienunternehmen angesprochen wird. So oder so hat der passive Ehepartner maßgeblichen Einfluss auf den Unternehmer und das Unternehmen.

Aus den Interviews lässt sich ableiten, dass zwischen den Rollen des „Austauschpartners“, des „emotionalen Unterstützers“, des „Repräsentanten“ sowie des „unentgeltlichen Unterstützers“ unterschieden werden kann. 

Dabei treffen die ersten beiden Rollen auf alle Ehepartner zu. Aus der Studie geht hervor, dass die passiven Ehepartner als ernstzunehmende Gesprächspartner wahrgenommen und bei finanziellen und strategischen Entscheidungen miteinbezogen werden. Auch fühlen sich die passiven Ehepartner mit dem Unternehmen emotional verbunden und erleben damit jegliche Höhen und Tiefen mit. In unterschiedlicher Ausprägung und Intensität nahmen sich die interviewten Ehepartner als „Repräsentanten“ wahr. 70 Prozent der Studienteilnehmer sehen sich auch in der Rolle des „unentgeltlichen Unterstützers“ und übernehmen freiwillig und ohne Entlohnung anfallende Aufgaben im Familienunternehmen. 

Welchen Einfluss passive Ehepartner im Einzelfall ausüben ist unterschiedlich, doch alle leisten einen wichtigen Beitrag im Familienunternehmen. 

Die Studie zeigt zudem, dass sich Ehepartner mit Vorurteilen konfrontiert sehen und eine Diskrepanz zwischen öffentlich wahrgenommener und tatsächlicher Ausgestaltung der Rolle besteht. Außerdem gaben überraschenderweise alle Interviewpartner an ihre Kinder nicht im Sinne der Nachfolge zu erziehen. 

Was also können Next Gens daraus lernen?

Die Ergebnisse der Studie zeigen, welch wertvolle Ressource die passiven Ehepartner für den Unternehmer und das Familienunternehmen darstellen können. Sie können zum Erfolg des Unternehmens beitragen und Wettbewerbsvorteile generieren. Durch ihre Unvoreingenommenheit können passive Ehepartner neutralen Input zu verschiedenen Themen geben. Hinzu kommt, dass sie durchaus auch Einfluss auf den Nachfolgeprozess haben und das Image des Unternehmens, das eng mit der Familie verbunden ist, prägen können. 

Um diese Chance, die passive Ehepartner bieten, optimal zu nutzen, sollten sich Familienunternehmer der Bedeutung ihrer Familienmitglieder und eben auch speziell der Bedeutung angeheirateter Partner bewusst(er) werden. Die Rolle der passiven Ehepartner und ihre Integration sollte innerhalb der Familie thematisiert und aktiv gestaltet werden. Ein professionelles Familienmanagement kann die Rollenverteilung innerhalb der Familie, beispielweise mit Hilfe einer Familienverfassung, regeln. Außerdem können Familientage, an dem die gesamte Familie gemeinsam über die aktuellen Themen rund ums Familienunternehmen redet und gleichzeitig gemeinsam Zeit verbringt, die Kommunikation untereinander verbessern, den Zusammenhalt stärken und alle Familienmitglieder auf den aktuellen Stand zu den wichtigsten Themen bringen. 

Für passive Ehepartner kann es von großem Wert sein sich mit passiven Ehepartnern der Seniorgeneration auszutauschen, die viel Erfahrung im Umgang mit dieser Rolle gesammelt hat und somit der jungen Generation viel mit auf den Weg geben kann.

Geschrieben von Viviane Rückner, Autorin bei Haus Next Insights

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