Haus Next

Traut euch was! Wie ein chinesisches Familienunternehmen seine Nachfolger zu innovativen Unternehmern macht

Hey nächste Generation, hast du mal drei Minuten? Wir bereiten Erkenntnisse aus der Forschung zu Familienunternehmen für dich auf – in nur drei Minuten Lesezeit.

Au, Chiang, Birtch & Ding: „Incubating the next generation to venture: The case of a family business in Hong Kong”

Familienunternehmen spielen in ostasiatischen Volkswirtschaften eine große Rolle – nicht zuletzt, weil dem familiären Zusammenhalt große Bedeutung für New Ventures zugeschrieben wird. In ihrer Einzelfallstudie untersuchen Au, Chiang, Birtch und Ding das generationenübergreifende Portfolio-Unternehmertum des Familienunternehmens AML (Automatic Manufacturing Ltd.) anhand eines etablierten analytischen Rahmens. Dieser hebt „Familiness“, also das gesamte Human-, Sozial- und finanzielle Kapital einer Familie als wichtige Ressource hervor, wenn es darum geht, ob und wie Familienmitglieder neue Unternehmen aus der familiären Firma heraus gründen. Denn wenn ein(e) Next Gen innovative Ideen entwickeln und umsetzen möchte, muss er oder sie nicht nur auf Netzwerke und Finanzierungsquellen zurückgreifen, sondern auch auf ausgereifte Fähigkeiten und (implizites) Wissen, das in der Familie weitergegeben wird.

Was zeichnet das Familienunternehmen aus?

AML ist ein Hersteller von elektronischen Geräten aus Hong Kong, der seit der Gründung im Jahr 1976 in Familienhand ist. Das Unternehmen zeichnet sich durch ausgeprägte Innovationsfähigkeit aus und fokussiert sich dabei auf hohe Qualität und hohen technologischen Anspruch der Produkte. Welche Strukturen machen AML als Familienunternehmen so erfolgreich? Die Fallstudie zeigt, dass Wettbewerbsfähigkeit stark im Selbstverständnis des Unternehmens verankert ist und die Mitarbeitenden sowohl sehr gut ausgebildet, als auch in der Branche erfahren sind. Außerdem werden Weiterbildung, Lernen und die Verstetigung von Wissen im Unternehmen stark gefördert, um kreatives Unternehmertum anzuregen. Die einzelnen Unternehmenseinheiten genießen einen hohen Grad an Autonomie, stehen aber gleichzeitig durch den engen Zusammenhalt der Führungsebene im stetigen Austausch. 

Wie wird Unternehmertum an die nächste Generation weitergegeben?

Neben den erläuterten Leitwerten des Unternehmens hat AML ein konkretes Schema entworfen, um die nächste Generation zu Ausgründungen zu motivieren. Nach Abschluss eines relevanten Studiums steigen die Next Gens als Trainees im Unternehmen ein und machen sich für drei bis vier Jahre mit den wichtigsten Geschäftsprozessen – Operations, Engineering und Marketing – vertraut. Im Anschluss erhalten sie eine Führungsposition in einer Abteilung und steigen langsam in die Führungsspitze ein. Parallel werden sie im Rahmen einer „Incubation Nursery“ mit Unternehmensphilosophie, Wissen und Sozialkapital des Unternehmens vertraut gemacht. Erste Gruppen für Start-up-Ideen mit Gleichgesinnten werden gebildet. Mit etwa 30 Jahren und einigen Jahren Erfahrung sollen die Nachfolgerinnen und Nachfolger dann eine Geschäftsidee vorstellen und einen Businessplan schreiben. Dafür erhalten sie von ihren Eltern ein Startkapital und stellen sich ein Team zusammen, möglicherweise auch aus internen Mitarbeitenden. Wenn sich das Konzept als vielversprechend herausstellt, erhält das Team einen Kredit, um das Joint Venture auszugründen. Im weiteren Verlauf wird das Venture weiterhin begleitet und fusioniert bei Erreichen einer kritischen Größe durch einen Beteiligungstausch mit AML.

Funktioniert das?

Bisher hat noch kein Familienmitglied die letzte Stufe dieses Prozesses erreicht, zwei Next Gens haben aber bereits ausgegründet, zwei weitere Nachfolger beginnen zum Zeitpunkt der Fallstudie ihre berufliche Laufbahn bei AML. Insgesamt schafft die Unternehmensleitung damit nicht nur Anreize zur Entwicklung von Ideen und lehrt der nächsten Generation höhere Risikobereitschaft, sondern integriert auch Nicht-Familienmitglieder in innovative Ventures, und übergibt den eigenen Kindern schrittweise Verantwortung in Vorbereitung auf ihre zukünftige Rolle. Diese etablierten Strukturen können allerdings auch innovationshemmend sein, wenn Perspektiven zu homogen sind und keine produktive Reibung zwischen den Unternehmerinnen und Unternehmern entstehen kann. Außerdem warnen die Autoren davor, dass die ältere Generation durch die engen Netzwerke riskiert, sich selber zu reproduzieren und damit dem Unternehmen und der Familie die Chance auf positive Veränderungen zu nehmen.

Was bedeutet das für mich?

Für dich lassen sich aus der Fallstudie wichtige Erkenntnisse über den Erfolg generationenübergreifenden Unternehmertums ziehen. Der Erfolg von AML ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass das Unternehmen viel Geld und Zeit in Forschung und Entwicklung investiert und eine konstruktive Lernkultur etabliert hat. Die langjährigen Mitarbeitenden im Management sind loyal und erhalten ein familiäres Klima, indem sie sich der jüngeren Generation intensiv annehmen und diese auf ihrem Weg im Familienunternehmen begleiten. Es wird deutlich, wie wichtig „Familiness“ als Ressource von Innovationen ist. Außerdem zeigt der entwickelte Karriereplan den Next Gens ihre Chancen im Unternehmen auf. Durch professionelles Mentoring und die notwendigen finanziellen wie personellen Ressourcen werden unternehmerische Unterfangen der jungen Generation möglich gemacht und gefördert. Die Familie selber kann dementsprechend entscheidend dazu beitragen, dass Nachfolgerinnen und Nachfolger innovativ werden und Unternehmertum wagen. Schließlich zeigt die Studie auch auf, dass alte sowie neue Generation davon profitieren, wenn die Investoren aus der Familie kommen. Sogenannte Family Angels können dazu beitragen, langjähriges Know-how mit frischen Geschäftsideen zu verbinden, ohne mit dem Tagesgeschäft zu konkurrieren, und gleichzeitig die Chance für Next Gens bieten, sich im Familienunternehmen zu beweisen.


Kurz & knapp

Wie fördert das Familienunternehmen AML Unternehmertum in der nächsten Generation?

  1. Priorisierung von Forschung, Entwicklung und (Weiter-)Bildung sowie Loyalität und „Good Governance“
  2. Konkrete Karriereentwürfe, Betreuung sowie personelle und finanzielle Ressourcen
  3. Family Angels (Investment durch Mitglieder der eigenen Familie)
Geschrieben von Mara Bartling, Autorin bei Haus Next Insights

 

Das könnte dich auch interessieren.