Haus Next

Generation Verantwortung: Friederike Driftmann und Christian Bochmann zu Gast bei Haus Next

„Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“ – so heißt es in Artikel 14 des deutschen Grundgesetzes. Auch Next Gens sind Eigentümerinnen und Eigentümer. Aber welche Verantwortung erwächst eigentlich daraus, in der nächsten Generation ein Familienunternehmen als Gesellschafterin oder Gesellschafter zu begleiten oder sogar operativ zu leiten?

In unserem letzten Haus Topic Spezial hatten wir die Chance, mit den Herausgebern Friederike Driftmann und Christian Bochmann über ihr neues Buch „Generation Verantwortung – Wenn Eigentum verpflichtet“ zu reden. Sie erzählten uns von der Idee zum Buch, von engagierten Menschen mit innovativen Visionen für ihr Familienunternehmen – und erklärten, was andere Next Gens daraus für sich mitnehmen können.  

Christian Bochmann ist Rechtswissenschaftler und geschäftsführender Direktor des Zentrums Familienunternehmen der Bucerius Law School in Hamburg. Wissenschaftlich sowie praktisch arbeitet er an der Schnittstelle von Unternehmerfamilie und Familienunternehmen. Außerdem sitzt er im Aufsichtsrat von Peter Kölln – dem Familienunternehmen von Friederike Driftmann, die in siebter Generation Gesellschafterin des Elmshorner Spezialisten für Haferflocken und Müsli ist und ebenfalls in Rechtswissenschaften promoviert hat. Sie ist auf dem Firmengelände aufgewachsen, durfte in ihrer Kindheit zum Frühstück Probepackungen verkosten. Daher ist für sie bereits früh klar, dass das Familienunternehmen in ihrem Leben eine große Rolle spielen wird.

Geboren wurde die Idee für das Buch, wie uns die beiden erzählen, bei einer Veranstaltung in der Bucerius Law School: Rechtswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler geben regelmäßig gemeinsam Bücher heraus, um unterschiedlichen Menschen eine Stimme zu den fachlichen Themen zu verleihen, die sie beschäftigen. Warum also nicht Unternehmerinnen und Unternehmern die Chance geben, ihre Geschichte als Verantwortungsträger in Unternehmerfamilien zu erzählen?.

Konkrete Vorgaben für die 24 Familienunternehmerinnen und -unternehmer, die im Buch zu Wort kommen, gab es eigentlich nicht. Um Herausforderungen und Verständnis von unternehmerischer Verantwortung sollte es gehen. Entstanden sind Beiträge von Vertreterinnen und Vertretern diverser Branchen und jeden Alters aus ganz Deutschland, die von Klimaschutz bis Digitalisierung Einblicke liefern in die gesellschaftliche Rolle von Familienunternehmen, und vor allem einen Blick erlauben auf die Menschen, die hinter ihnen stehen.

In der Sache ist „Generation Verantwortung“ dabei ein unpolitisches Buch: es geht um Leidenschaft, Hingabe und Werte, um die Lebenswerke älterer Generationen und den Wunsch, diese weiterzuführen. Denn egal ob als Gesellschafter oder Manager – Familienunternehmerinnen und -unternehmer geben ihre Verantwortung nie ganz ab. 

Doch Verantwortung wofür eigentlich? Ein Familienunternehmen ist nicht nur ein Vermögenswert, es ist vor allem eine Verpflichtung gegenüber der Familie, dem Unternehmen, den Mitarbeitenden und nicht zuletzt auch dem Produkt und seiner Kundschaft. Und wenn Marie-Luise Raumland über den von ihrer Familie produzierten Sekt spricht, oder Philip Hitschler-Becker überlegt, wie er seinen Mitarbeitenden den Arbeitsplatz versüßen kann, merkt man, wie besonders die Bindung der Next Gens zu ihren Familienunternehmen ist.

Statt sich auf alten Lorbeeren und dem guten Ruf des Familienunternehmens auszuruhen, wollen sie etwas bewegen, wollen Tradition und Innovation miteinander verbinden. Natürlich spielen dabei, ganz im vollständigen Sinne der Nachhaltigkeit, auch gesamtgesellschaftliche Veränderungen auf ökonomischer, ökologischer und sozialer Ebene eine Rolle. Veränderungen in der Gesellschaft verlangen Menschen, die anpacken und gestalten wollen und die Next Gen müsse ehrgeizig und mutig vorangehen, finden Friederike und Christian. 

Die eigene Rolle in der Unternehmerfamilie zu finden ist dabei oft alles andere als einfach, bedeutet es doch auch, unangenehme Fragen zu stellen und Altbewahrtes zu hinterfragen. Denn: Obwohl die Next Gen größten Respekt hat vor den Errungenschaften vorangegangener Generationen, sollte sie sich nicht scheuen, ihren eigenen Fahrplan im Sinne der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens und der unternehmerischen Verantwortung zu entwickeln. Eigentum als Chance und nicht nur als Bürde zu begreifen, hilft dabei, Antworten auf die Frage zu finden, welchen Beitrag man als Familienmitglied zum Unternehmen leisten kann. Und natürlich darf man auch als Next Gen mal mit Ideen scheitern.

Doch so enthält „Generation Verantwortung“ nicht das eine Erfolgsrezept dafür, Familienunternehmen zukunftsfit zu machen und verantwortungsvoll zu gestalten – vielmehr geht es um ganz individuelle und ehrliche Geschichten, die inspirieren und zum Nachdenken anregen.

Friederike und Christian hoffen mit ihrem Buch den Diskurs zu unternehmerischer Verantwortung mit authentischen Abbildungen von familienunternehmerischen Werdegängen zu untermauern und anzuregen. Denn das Verständnis von Verantwortung wandelt sich, passt sich an eine immer komplexer werdende Gesellschaft an – und so nimmt auch diese Generation Verantwortung eine besondere Rolle ein. Oder wie Philip Hitschler-Becker es auf den Punkt bringt: „Jede Zeit hat ihre Manager. Und wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“.

Geschrieben von Mara Bartling, Autorin bei Haus Next Insights

Das könnte dich auch interessieren.