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Modern Family III- Netflix and Learn Vol. 7

Worum geht’s?

Modern Family, eine der beliebtesten Sitcoms auf Netflix, lässt uns mit viel Humor am alltäglichen Chaos einer großen Patchwork-Familie teilnehmen. In Modern Family überwinden die Protagonisten/innen nicht nur die Hürden des Alltags, sondern sie werden auch immer wieder mit ihren eigenen und den Problemen innerhalb der Familie konfrontiert, die sie herrlich menschlich meistern. Selten schafft es eine Serie Ihre Charaktere so pointiert darzustellen. 

In der Patchwork-Familie gibt es aber eben nicht nur die Familie, sondern auch ein Unternehmen sitzt abends mit am Tisch. In den mittlerweile schon Zehn in Deutschland veröffentlichten Staffeln kommt es daher neben üblichen Familienkonflikten auch immer wieder mal zu kleinen oder größeren Problemen im Unternehmen. Das Familienunternehmen, ‚Pritchett’s Closets & Blinds‘, wurde von Jay Pritchett, dem Vater von Claire und Mitchell, gegründet. Jay’s Kinder erinnern sich in der Serie immer wieder an einen Vater, der Tag und Nacht arbeitete um sich Stück für Stück seinen ‚American Dream‘ zu erfüllen. Stichwort “seinen” Traum ist hier Programm. Ab der 5. Staffel steigt dann mit Claire, die 20 Jahre Mutter und Hausfrau war, die Next Gen, mit ins Familienunternehmen ein. Konflikte vorprogrammiert?

Der letzte Blogbeitrag widmete sich Staffel 5, Folge 8, ‘Houston, wir haben ein Problem’. In dieser Folge überredete Claire ihren Vater widerwillig dazu, nach Jahren wieder an der sogenannten ClosetCon, Amerikas Nummer Eins Fachmesse der Schrankindustrie, teilzunehmen. In der Folge prallen nicht nur alte und neue Sichtweisen und Traditionen aufeinander, sondern auch privates und geschäftliches. Claire muss lernen, sich in einer von Männern dominierten Branche und als Tochter eines sturen und patriarchalen Vaters und Chefs durchzusetzen. Jay kann sich nur langsam für Claire’s neue Ideen und so konträren Herangehensweisen öffnen. Dabei merken beide, dass sie sich geschäftlich nur annähern können, wenn auch private Missverständnisse aus dem Weg geräumt sind. Claire und Jay zeigen auf hervorragende Weise, wie wichtig es ist keine Scheu vor Konflikten zu haben und offen miteinander zu kommunizieren, damit eine vertrauensvolle Basis entstehen kann. Als fruchtbares Fundament dienen aber auch Jay’s Expertise und Know-how, wobei er lernen muss, diese Claire so weiterzugeben, ohne dabei ihren Enthusiasmus und frischen Unternehmergeist auszubremsen. Darüber hinaus zeigt sich bei Claire und Jay immer wieder, wie schwer es als Next Gen sein kann, es den Erfolgen der vorangegangenen Generation gleichzutun – aber genau darum geht es ja gar nicht. Claire muss als Next Gen ihren eigenen Weg und Führungsstil im Familienunternehmen finden können, damit sie ihren persönlichen Fingerabdruck im Unternehmen hinterlassen kann, ohne nur ihrem Vater nachzueifern.

In Staffel 6, Folge 13, ‘Ausschlaggebende Entscheidungen’ arbeiten erstmals Claire und ihr Bruder Mitch beruflich zusammen.

Mitch hat Jura studiert und arbeitet nun erstmals für eine kurze Zeit freiberuflich für das Familienunternehmen, weil er eine Auszeit von seinem derzeitigen Job braucht. Dort ist Mitch als der ständige Nörgler bekannt und dementsprechend möchte er diesmal zu den beliebten Kollegen gehören, die sich über nichts aufregen oder beschweren. Für Mitch ist seine große Schwester ein Ebenbild des Vaters – Claire ist genauso taff, stur und dominant wie Jay. Zwischen den beiden Geschwistern gibt es seit ihrer Kindheit immer wieder den ein oder anderen Konkurrenzkampf, so wie in dieser Folge, in der Claire versucht Mitch zu beweisen, wie gut sie Freundin und Managerin der Angestellten zugleich sein kann. Mitch gelingt es in seiner neuen Rolle als entspannter Kollege, was Claire schon seit ihrem Beitritt ins Familienunternehmen nicht ganz gelungen ist: Die Kollegen und Kolleginnen lieben Mitch. Das sorgt für eine angespannte Stimmung zwischen den Geschwistern. Mitch genießt es, der Beliebte zu sein, während Claire diese Rolle in der Schulzeit hatte. Doch was die beiden Geschwister dabei vergessen, sie sind nicht mehr in der Schulzeit. Claire ist in diesem Moment auch Mitch’s Chefin.

Doch in eine Führungsposition hineinzuwachsen gelingt nicht von heute auf morgen, vor allem, wenn man starke Hierarchien durchdringen möchte und noch am Herausfinden ist, welcher Führungsstil am besten zu einem selbst passt.

Dabei wird deutlich, wie Claire in einem Zwiespalt ist: Wie führen? Einerseits möchte sie ihrem Vater gefallen, andererseits den Kollegen und Kolleginnen, gleichzeitig auch ihrem Bruder etwas beweisen. Von ihrem Vater erhält sie dabei auch sehr unbeliebte Aufgaben, die ihren persönlichen Zwiespalt zwischen Freundin und taffer Managerin auf die Spitze treiben. Während also Mitch fleißig Einladungen für after-work Parties sammelt, ist Claire indessen im Namen ihres Vaters unterwegs um mehrere Angestellte aus verschiedensten Gründen abzumahnen, wobei Jay generell kein Blatt vor den Mund nimmt. Doch bevor Claire damit loslegen kann, greift Mitch ein. Auch er möchte einmal erfahren, anders als in seinem bisherigen Job, wie es ist, respektiert zu werden – Autorität zu haben. Ohne die Worte des Vaters zu schönen, greift er nach Claire’s Liste, auf der Jay seine Gründe für die Abmahnungen aufgeschrieben hat. Auf der einen Seite möchte Mitch in diesem Moment seiner Schwester helfen, andererseits möchte er auch endlich erfahren, was es bedeutet in einer Führungsposition zu sein. Als er seiner Schwester vor den Angestellten den Zettel aus der Hand reist, übergeht er in diesem Moment nicht nur die Rolle seiner Schwester, sondern vergisst auch seinen Zuständigkeitsbereich im Familienunternehmen. Eine Führungsposition im eigenen Familienunternehmen inne zu haben, oder eben keine, is definitiv nicht leicht und man hört dabei nie auf zu lernen – aber es ist in dieser Situation besonders wichtig, die eigene Position und die der Geschwister ernst zu nehmen.

Die Suche nach einem Führungsstil und der Wertewandel, den das Management in den letzten Jahrzehnten erfahren hat, zeigt sich immer wieder neu beim Eintritt einer weiteren, frischen Führungspersönlichkeit im Familienunternehmen. Claire ist noch dabei ihren eigenen Stil zu finden, doch dabei ist es nicht einfach, wenn einen die eigene Familie dabei nicht unterstützt. Bei Claire und Mitch zeigt sich, sobald Geschwister zum ersten Mal zusammen arbeiten, ist das nicht immer eine harmonische Zusammenarbeit, sondern kann auch mit Sticheleien und einer gewissen Konkurrenz einhergehen. Wichtig ist, sich seinen Werten bewusst zu sein und diesen dann auch treu zu bleiben. In Modern Family zeigt sich immer wieder, wie sich privates und geschäftliches kaum voneinander trennen lassen, wie Mitch unbedingt mal den Ton angeben möchte, weil er früher als Kind, aber auch im Beruf, nicht so ernst genommen wurde, wie er es sich gewünscht hätte. Dabei ist es wichtig die Autorität der Geschwister in einer höheren Position nicht zu untergraben, aber auch anzuerkennen, dass das Wohl des Unternehmens, der Kolleginnen und Kollegen, im Vordergrund stehen und man bestenfalls private Differenzen und persönliche Unsicherheiten innerhalb der Beziehungen zueinander bespricht, damit man sich auch sonst auf Augenhöhe begegnen kann.

In Claire’s und Mitch’s Kindheit gab es für Jay immer eine Favoritin. Claire war immer schon Daddy’s Liebling und für Mitch ist es nicht leicht, dass seine Schwester dann auch noch ins Familienunternehmen mit einsteigt. Darin zeigt sich, wie schwer es für Geschwister sein kann, wenn sie sich gegen das Familienunternehmen entscheiden, sich nicht ausgeschlossen zu fühlen.

Was lernen wir?

Eine offene und lösungsorientierte Kommunikation, die dabei Konflikte nicht scheut, ist wichtig innerhalb der Familie. Aber eine konstruktive Art und Weise, wie man Konflikte und Konfliktgespräche am besten angeht, muss man lernen – dazu gehört unter anderem, die jeweilige Situation und Perspektive des Gegenübers anzuerkennen. Ebenso, lösungsorientiert vorzugehen, also das Problem so zu greifen, dass am Ende Möglichkeiten und Chancen entstehen. Wenn sich Geschwister schon in der Kindheit benachteiligt fühlten, wird es schwierig, im Familienunternehmen auf Augenhöhe miteinander zu arbeiten. Um sich als Geschwister auf Augenhöhe begegnen zu können bedarf es einerseits der Klarheit der eigenen, aber auch unternehmerischen Werte und Ziele und andererseits der Akzeptanz und Anerkennung der Position des jeweils anderen. Die Möglichkeit für Mitch, freiberuflich seine Fähigkeiten als Anwalt für das Familienunternehmen zu nutzen, gab ihm unter anderem die Möglichkeit, sich nicht mehr ausgeschlossen zu fühlen. Denn, leider ist das ja so oft so, das Familienunternehmen ist und bleibt, ob am Schreibtisch oder dann zu Hause am Esstisch, das Gesprächsthema Nummer Eins. Kein Wunder, dass es da schwierig ist für Außenstehende innerhalb der Familie, sich nicht ausgeschlossen oder gar vernachlässigt zu fühlen.

Schaut doch mal in Modern Family rein und lernt von den Pritchett’s und Dunphy’s – denn, die Verantwortung und die Art und Weise ein Unternehmen zu führen ist nicht leicht, was aber wichtig ist, zu Wissen welche Werte man anstrebt und innerhalb dieser integer zu handeln.

Geschrieben von Maya Bernhard, Autorin bei Haus Next Insights

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