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Psychology Insights – Entscheidungen II

Willkommen zu unserer Miniserie „Psychology Insights: Entscheidungen“. Wir geben Euch einen kompakten und spannenden Überblick aus der Entscheidungspsychologie und Forschung, sowie die ein oder anderen Praxisbezüge, warum man abends zum Beispiel keine wichtigen Entscheidungen mehr treffen sollte.

Warum wir wichtige Entscheidungen lieber am Morgen treffen sollten. 

Wer abends, nach einem langen und anstrengenden Tag, schon mal im Supermarkt war und sich wundert, statt der Packung Nudeln, die man eigentlich gebraucht hätte, mit einem ganzen Einkaufswagen zurückzukommen, kennt es: Es kostet Willenskraft, Entscheidungen zu treffen, besser gesagt Selbstkontrolle.

In diesem Artikel geben wir Euch einen kleinen Einblick in die Entscheidungspsychologie und erklären, wie wir bessere Entscheidungen treffen können. 

Der Forscher Roy Baumeister erforschte mit einem einfachen Experiment, was es mit  Selbstkontrolle und dem Entscheiden auf sich hat. In einem seiner bekanntesten Experimente, in denen Baumeister die sogenannte Ego-Depletion, also die Erschöpfung der Willenskraft, untersuchte, nutzte er die Verführungskraft von Keksen. Die Probanden des Experiments saßen alle vor einem Teller lecker duftender und frisch gebackener Kekse. Daneben stand auch ein Teller mit Radieschen. Während die eine Gruppe beherzt Kekse essen durfte, sollte die andere Gruppe auf diese verzichten und zu den Radieschen greifen. Danach sollten die Gruppen jeweils ein schwieriges Puzzle lösen, das tatsächlich so manipuliert worden war, dass es unlösbar war. Es wurde also getestet: Wie lange halten es die beiden Gruppen jeweils aus, wie stark ist der Wille der Keks-Gruppe und der Radieschen-Gruppe, das unlösbare Puzzle zu lösen? Die Ergebnisse waren eindeutig: Die Gruppe, die zuvor Selbstkontrolle ausüben musste, indem sie auf die Kekse verzichtete, gab viel schneller auf. Die Probanden, die nicht verzichten mussten, bemühten sich durchschnittlich 8 Minuten länger darum, das Puzzle zu lösen. 

Was lernen wir daraus?

Ähnlich wie ein Muskel ist unsere Willenskraft erschöpfbar – nutzen wir sie zu viel, zu schnell, zu oft, dann beeinflusst das den weiteren Verlauf unserer folgenden Tätigkeiten und Entscheidungen. Also egal, ob wir körperlicher Anstrengung wie z.B. zu wenig Schlaf, Stress, oder auch einfach Hunger ausgesetzt sind, oder schon viele Entscheidungen getroffen haben, beeinflusst dies die Ausdauer unserer Willenskraft, und unsere Fähigkeit, Selbstkontrolle auszuüben, wird immer geringer. Umso mehr wir auf „Kekse“ verzichten müssen (das mögen wortwörtlich Kekse sein, weil man vielleicht gerade auf Diät ist), desto weniger Willenskraft haben wir für die nächste Situation. Gar allein vom Treffen von Entscheidungen ist unsere Selbstkontrolle erschöpft. Wenn wir uns morgens schon schwer tun unser Outfit auszusuchen, viel zu wenig Schlaf hatten und uns lieber für den gesunden Apfel, als das Stück Kuchen von gestern entscheiden, dann kommen wir schon mit halber Willenskraft zur Arbeit – einiges an Selbstkontrolle ist schon aufgebraucht, für alle darauf folgenden Situationen haben wir weniger Ausdauer. So passiert es, dass wir in einer schwierigen Situation schneller aufgeben, wir unvorsichtig und ungeduldig werden und schlechte Entscheidungen treffen. 

Wenn unsere Willenskraft erschöpft ist und wir uns dennoch entscheiden müssen, dann werden wir entscheidungsmüde und es passiert Folgendes: 

  • Wir vermeiden und verschieben Entscheidungen
  • Wir sind weniger bereit für Kompromisse 
  • Wir nehmen viel lieber die vorgegebene Option
  • Wir sind impulsiv – Im Unternehmenskontext nimmt unethisches Verhalten zu

Aber was wäre ein Muskel, den man nicht trainieren kann?

Wir können uns darin üben, unsere Willenskraft zu steigern. Das funktioniert, indem wir unserer Willenskraft nicht zu viel zumuten und in zu kurzer Zeit abverlangen. Das ist ganz einfach wie beim Sport – überfordere deine Muskeln nicht und setze dir z.B. kleine, erreichbare Ziele, schaffe dir Routinen und achte auf so einfache Dinge wie genug Schlaf, denn alles was Stress, Zeitdruck und Versuchungen reduziert, hilft, den Muskel der Willenskraft zu rehabilitieren und zu stärken. Im Unternehmenskontext kann das heißen, darauf zu achten, dass genug Ausgleich, Freizeit und Erholungsphasen geschaffen und eingehalten werden. Genauso sollten Entscheidungen klug terminiert werden, eher am Anfang der Woche, am Morgen, wenn der Verstand noch ganz frisch ist. 

Geschrieben von Maya Bernhard, Autorin bei Haus Next Insights

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