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Gründerschatten

Estée Lauder, Ralph Lauren und Henry Ford sind drei Beispiele für Familienunternehmen bei denen der/die Begründer/in zur Ikone wurden.

Der Name und das Image des Gründers wurden dabei eins mit dem Unternehmen. Die persönliche Marke und die Marke des Unternehmens hängen untrennbar zusammen – je erfolgreicher das Unternehmen desto bekannter und idealisierter auch der/die Gründer/in und vice versa.

Doch welche Auswirkungen hat ein ikonischer Gründer auf das Familienunternehmen? Und welche Auswirkungen hat eine solche Ikone auf die nachfolgende Generation?

Obwohl es viele Vorteile hat einen ikonischen Gründer an der Spitze des Unternehmens zu haben, kann dies vor allem für die Next Gen auch zum Nachteil werden. Die Ikonen des Unternehmens werden idealisiert und so werden unmögliche Standards für die Next Gen geschaffen. Der ikonische Gründer kann eine „loyale“ Belegschaft aufgebaut haben, die gleichzeitig jedoch gegen neue Führungspositionen resistent ist. Besonders schwierig ist es für die Next Gen eine Balance zwischen der Ehrung dessen, was die „Ikone“ aufgebaut hat, und ihrem eigenen Beitrag im Familienunternehmen zu finden. Ironischerweise kann ein äußerst erfolgreicher ikonischer Gründer sein geliebtes Unternehmen unbeabsichtigt für zukünftige Generationen zum Scheitern bringen.

Peter S. Davis und Paula Danskin Englis haben in ihrem Paper „In the Founder’s Shadow: Conflict in the Family Firm” genauer untersucht welche Einflüsse der sogenannte “Gründerschatten” auf die nächste Generation hat. Starke Mitarbeiterloyalität, ihr Einfluss und die Tatsache, dass viele Gründer/innen sich schwertun, sich aus dem Familienunternehmen zurückzuziehen, führen in der nächsten Generation oft zu Handlungsunfähigkeit, Irritation, starken Vergleichen mit dem ikonischen Gründer und damit auch zu vermehrten Konflikten. Gerade die zweite Generation steht weiterhin unter dem Einfluss der Vorgängergeneration, meist einer dominanten Elterngeneration. Mehr zu den Ergebnissen von Davis und Englis könnt ihr hier lesen.  

Die Nachteile eines ikonischen Gründers sind zum einen also, dass je erfolgreicher das Unternehmen und die „Marke“ wird, desto mächtiger auch die Person wird. Gleichzeitig nimmt dadurch auch der Druck zu, die Ikone auf einem Podest zu halten. Zum anderen werden durch den ikonischen Gründer irrationale Forderungen geschaffen und es besteht die Gefahr, dass eine Unternehmenskultur von „Ja“-Sagern anstatt unabhängiger Denker etabliert wird.

Die größte Gefahr für Next Gens ist dabei:

  1. Dass sie durch den unerreichbaren Standard, der geschaffen wurde, ihre eigenen Kompetenzen nicht mehr anerkennen können.
  2. Dass sie sich aufgrund dessen gar von dem Familienunternehmen trennen.
  3. Dass ein lähmender Effekt auftritt, wenn der/die Gründer/in sich aus dem Geschäft zurückzieht – es werden keine Entscheidungen mehr getroffen und das Unternehmen bleibt damit stehen und entwickelt sich nicht mehr weiter.

Was also können Next Gens tun, um diesen Gefahren entgegenzuwirken?

  1. Die Beiträge des Gründers müssen anerkannt und geschätzt werden, doch gleichzeitig sollten sie nicht die Identität und die Ziele der Next Gens beschatten. 
  2. Um das Familienunternehmen erfolgreich zu führen, muss nicht die Vision des Gründers beibehalten werden – vielmehr sind eigene Ideen und Ansätze für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens hilfreich.
  3. Es bedarf Mut, um Veränderungen anzuregen und durchzusetzen.
  4. Bewältigungsstrategien zur Konfliktlösung können dabei helfen, den Übernahmeprozess zu erleichtern.
  5. Wenn Gründer/innen Autonomie und Selbstbewusstsein der Next Gens unterstützen, werden damit gleichzeitig deren intrinsische Motivation und deren Erfolg gefördert.
Geschrieben von Viviane Rückner, Autorin bei Haus Next Insights

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