Haus Next

Haus Topic mit Dr. Christian Titus Klaiber

In unserem Haus Topic sprechen Experten zu ausgewählten Themen, die für uns Next Gens relevant und spannend und für unsere Rollenfindung sind. Beim letzten Mal ging es um das Thema Family Office, worüber uns der Experte und Leiter des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen Dr. Christian Titus Klaiber mehr Insights gegeben hat.

In unserem Haus Topic sprechen Experten zu ausgewählten Themen, die für uns Next Gens relevant und spannend und für unsere Rollenfindung sind. Beim letzten Mal ging es um das Thema Family Office, worüber uns der Experte und Leiter des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen Dr. Christian Titus Klaiber mehr Insights gegeben hat.

Der Anspruch von Haus Next ist die Verbindung von wissenschaftlichen Erkenntnissen mit praktischem Know-how. In genau diesem Kontext beschäftigt sich Dr. Christian Titus Klaiber mit dem Thema Family Office. Der Vortrag mit anschließender Diskussion war wirklich aufschlussreich und hat uns erklärt was ein Family Office ist und was ein Family Office macht. Gemäß der vorangestellten Definition ist ein Family Office ein Ort, an dem eine Familie ihre finanziellen und familiären Interessen bündelt. Der Begriff ist rechtlich allerdings nicht geschützt, weshalb man vorsichtig sein sollte, wenn jemand sein Geschäftsmodell als Family Office definiert. Nach der Auffassung unseres Experten gehört viel mehr zum Family Office als die reine Vermögensverwaltung.

Wie in unserem Artikel vorab zur Haus Topic schon beschrieben unterscheidet man zwischen einem Single Family Office und einem Multi Family Office. Ersteres ist häufig familiengeführt was bedeutet, dass der Family Officer gleichzeitig Vermögensträger sein kann. Multi Family Offices hingegen sind häufig gewerblich geführt und vereinen die Interessen mehrerer Familien. Die Zahlen wie viele Family Offices es wirklich gibt schwanken, was unter anderem daran liegt, dass viele sogenannter Familienbüros sich nicht selbst als Family Office betiteln.

Die zentrale Frage, die uns und wahrscheinlich euch beschäftigt ist, wieso das Thema für uns als Next Gens so relevant ist. Bei Haus Next vertreten wir die klare These, dass die unternehmerische Identität einer Familie und ihrer Mitglieder nicht einzig durch das Familienunternehmen begründet ist. Vielmehr ist es ein Teil der Unternehmerfamilie. Das Selbstverständnis dieser Perspektive kann um weitere Bausteine wie eine Stiftung oder ein Family Office im Familienportfolio ergänzt werden und damit zum Ausdruck des unternehmerischen Geistes werden. Final kann jede Art der unternehmerischen Tätigkeit außerhalb des Familienunternehmens in einem Family Office organisiert werden und damit zur Zukunftsfähigkeit beitragen. Das zentrale Kriterium dieser Strategie ist die Risikodiversifikation.

Was Dr. Klaiber besonders betont hat ist die Einbettung des Family Offices in die Gesamtstrategie der Unternehmerfamilie. Gemäß dem Top-Down Prinzip beginnt alles mit einer gemeinsamen Vision und Mission, die sogenannten Familienvision für die Zukunft. Basierend darauf wird eine Gesamtvermögensstrategie entwickelt, die den nachhaltigen Erhalt und Erfolg als Ziel hat. Um diese positive Entwicklung zu erreichen werden anschließend die zentralen Anlageklassen identifiziert. Natürlich können bereits vorher unstrukturiert Anlageklassen gebildet worden sein, die es nun gilt, strategisch sinnvoll zu integrieren.

“Wie beim Bau eines Hauses beginnt man mit dem Fundament und fängt nicht mit dem Bad an.”

Dr. Christian Titus Klaiber

Ist die Entscheidung einmal gefallen, ein Family Office zu errichten, gibt es zwei mögliche Szenarien:

  1. Errichtung nach dem Verkauf des Familienunternehmens
  2. Errichtung während bestehendem Familienunternehmen

Besonders im ersten Szenario sollte man sich bereits vor dem Verkauf wirklich grundlegende Gedanken machen, wie man das Vermögen verwenden und welchen Weg die Vermögensträger gehen möchten: als Familie zusammenbleiben und wirken oder die Kapitalanteile aufteilen. Kommt die Familie zu dem Schluss, gemeinsam weiter wirken zu wollen, ist ein Family Office eine passende Lösung. Dafür müssen grundlegende Fragen geklärt werden, was das Family Office leisten soll, wie die Kosten getragen werden und wie die Verantwortlichkeiten verteilt sind.

Im zweiten Szenario wird die Errichtung eines Family Office neben dem Familienunternehmen beschlossen. In der ersten Phase werden erste verwalterische Aufgaben an Angestellte des Unternehmens übertragen, in der zweiten Phase, das sogenannte Embedded Family Office, werden diese Strukturen innerhalb des Unternehmens formalisiert bis final ein separates Family Office in Phase 3 errichtet wird.

In beiden Fällen sind die übergeordneten Themenbereiche von steuerlicher, rechtlicher, struktureller, finanzwirtschaftlicher und ebenso emotionaler Natur. Das sind die fünf essentiellen Fragen, die im Rahmen der Errichtung geklärt werden müssen. Die wichtigsten Anlageziele nach der BFZ Family Office Studie (2019) sind demnach der Kapitalerhalt (69%) und die absolute Rendite in % (55%). Das konkrete Ziel sollte aber allen Familienmitgliedern klar sein. Gemäß dem magischen Dreieck gibt es drei zentrale Zielkriterien: Rentabilität, Sicherheit und Verfügbarkeit. Allerdings stehen sie im Zielkonflikt und jede Familie muss in ihrer Strategie definieren, welche Kriterien ihr am wichtigsten sind.

Was das Family Office zur klassischen Vermögensanlage unterscheidet ist ein koordiniertes und strategisches Investmentmanagement. Die meisten Anleger haben eine zufällige Ansammlung von Investitionen, die über Jahre hinweg kuratiert wurden. Ein strategischer Ansatz kann die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen. Deshalb sollte sich das Family Office bewusst für Investmentmöglichkeiten entscheiden. Beispiele für Assetklassen sind dabei Aktien, Land und Forst, Private Equity, Immobilien etc.

Für alle, die sich nun konkreter mit dem Thema beschäftigen möchten hat unser Experte Dr. Christian Titus Klaiber noch zwei Literaturtipps parat:

  • Führung von Familienunternehmen, herausgegeben von Koeberle-Schmid und Grottel
  • Das Family Office – Ein Praxisleitfaden, von Boris Canessa, Jens Escher, Alexander Koeberle-Schmid, Peter Preller und Christoph Weber

Zum Abschluss unseres Haus Topic Recaps noch ein Zitat aus der Veranstaltung, das wir uns alle merken sollten:

“Reich wird man immer dann, wenn man weniger ausgibt als man einnimmt.”

Dr. Christian Titus Klaiber

In diesem Sinne herzlichen Dank an Dr. Christian Titus Klaiber für die aufschlussreichen Praxiseinblicke zum Thema Family Office.

Geschrieben von Robert Schacherbauer, Autor bei Haus Next Insights

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