Haus Next

Im Schatten stehen: Die Auswirkungen von Generationswechseln auf Konflikte

Hey nächste Generation, hast du mal drei Minuten? Wir bereiten Erkenntnisse aus der Forschung zu Familienunternehmen für dich auf – in nur drei Minuten Lesezeit.

Davis & Harveston: „In the Founder’s Shadow: Conflict in the Family Firm“

Ein Nachfolgeprozess im Familienunternehmen ist effektiv, wenn das Überleben des Unternehmens gesichert ist – und wenn aufkommende Konflikte und Stressfaktoren erfolgreich bewältigt werden können. Das Familienunternehmen zeichnet sich dadurch aus, dass es zwei soziale Systeme zusammenführt: Familie und Unternehmen sind eng miteinander verbunden. Dies kann durchaus auch problematisch sein, wenn Konflikte von einem System in das andere getragen werden. Die Phase der Nachfolge als notwendige Übergang von einer Generation in die nächste kann soziale Beziehungen strapazieren, auch, weil es der ausscheidenden Generation meistens schwerfällt, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen. Insbesondere Gründerinnen und Gründer haben eine besondere Bedeutung für das Unternehmen und ihr Einfluss klingt noch lange nach der Übernahme durch die nächste Generation nach. Wie aber genau hängen Generationswechsel und fortgesetzter Einfluss älterer Generationen mit Konflikt im Familienunternehmen zusammen? Dieser Frage gehen Davis und Harveston nach und befragen in den USA über 1 000 Familienunternehmerinnen und -unternehmer. 

Welche Bedeutung hat die erste Generation für Unternehmen und Nachfolgende?

Gründerinnen und Gründer haben für das Familienunternehmen einen besonderen Stellenwert: sie treffen die richtungsweisenden Entscheidungen über Ziele, Werte, Strategie und Struktur und definieren durch ihre tägliche Arbeit maßgeblich die Unternehmensentwicklung. Sie zeichnen sich durch hohes Commitment und unternehmerische Fähigkeiten aus, außerdem haben sie oft enge Beziehungen zu Mitarbeitenden und besitzen seltene technische Fertigkeiten, die für das Unternehmen essentiell sind. Mit Blick auf die Familie ist es meist die erste Generation, die Familie und Belegschaft zusammenhält und durch gemeinsame Werte und Normen Harmonie bewahrt, zum Beispiel ist in gründergeführten Familienunternehmen starke Mitarbeiterloyalität zu beobachten. Außerdem fällt es der gründenden Generation oft schwer, sich aus dem Familienunternehmen zurückzuziehen. Nicht selten beeinflusst sie auch nach der Übernahme durch die nächste Generation wichtige Entscheidungen, was die Führung letzter stören kann, Verantwortlichkeiten verschwimmen lässt und zu Handlungsunfähigkeit und Irritation führen kann. Die Next Gen kann zudem stark unter den Vergleichen mit den Gründerinnen und Gründern leiden und ihnen ihr Einmischen nachtragen, sodass ein gesundes Klima in der Familie gefährdet ist. Die Wissenschaft spricht in solchen Fällen vom „Generationsschatten“ oder „Gründerschatten“.

Wie verändern Nachfolgen das Konfliktlevel?

Verlässt die gründende Generation das Unternehmen, kann man aufgrund ihrer Relevanz und ihres Einflusses davon ausgehen, dass Konflikte in der zweiten Generation zunehmen. Außerdem nimmt das Forschungsteam an, dass Konflikte in späteren Generationen (nach der zweiten) verstärkt zunehmen, da die Familie wächst und ihre internen Dynamiken an Komplexität gewinnen. Neid unter Familienmitgliedern führt zu häufigeren Auseinandersetzungen über Geld, Führungsrollen, Anteile und Kontrolle sowie die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens. Dennoch erwarten Davis und Harveston, dass die erste Nachfolge durch die besondere Position des Gründers oder der Gründerin einen größeren Einfluss auf das Konfliktlevel hat als späteren Nachfolgen. Obwohl das Konfliktlevel über Generation hinweg steigt, gibt es keinen statistischen Nachweis für einen Einfluss der Nachfolge auf Konflikte unter der Führung der zweiten Generation. Empirisch belegen lässt sich hingegen, dass Konflikte nach der zweiten Generation stärker zunehmen und tatsächlich spätere Nachfolgen einen größeren negativen Effekt auf die Harmonie haben als die erste Nachfolge. 

Welche Auswirkungen auf Konflikte hat der „Schatten“ älterer Generationen?

Die Forscher stellen fest, dass das Konfliktlevel sich erhöht, also Frequenz und Ausmaß von Auseinandersetzungen steigen, wenn die Gründerin oder der Gründer im oder außerhalb des Tagesgeschäfts in die Geschicke des Unternehmens involviert ist. Allerdings ist dieser Effekt nicht für dritte und folgende Generationen zu beobachten: Die Beteiligung der vorausgehenden Generation (welche nicht die Gründergeneration ist), hat keine Auswirkungen auf das Konfliktlevel in Familienunternehmen, die in der dritten oder noch späteren Generation geführt werden. Der „Gründerschatten“ aber erweist sich als wichtiger Faktor in der Familiendynamik nach der ersten Nachfolge. Zum einen gibt es keinen signifikanten Unterschied zwischen dem Konfliktlevel in der ersten und zweiten Generation, wenn letztere noch stark unter dem Einfluss der Vorgängergeneration steht (die erste Generation beeinflusst also weiterhin die Harmonie innerhalb der Familie und zwischen Familie und Mitarbeitenden); zum anderen ist eine Auswirkung einer dominanten, nicht zurückgezogenen Elterngeneration auf Konflikte im Familienunternehmen nach der zweiten Generation nicht mehr nachweisbar. 

Was bedeutet das für mich?

Für Dich als Next Gen und Familienmitglied lassen sich einige Schlüsse aus den Ergebnissen der Studie ziehen. Die Nachfolge ist nicht nur für die Kontinuität wirtschaftlichen Erfolgs relevant, sie hat auch, je nach Generationskontext, Einfluss auf das Konfliktlevel, welches über Generationswechsel hinweg steigt. Außerdem nehmen Gründerinnen und Gründer eine besondere Rolle in der Unternehmensentwicklung an, und wirken auch über ihren offiziellen Ausstieg hinaus in wichtigen Entscheidungen mit. Der sogenannte „Gründerschatten“ führt zu vermehrten Konflikten – und die betroffenen Gründerinnen und Gründer sind sich dessen meist nicht bewusst. Eine bessere Planung der Nachfolge, inklusive einer konkreten Vorstellung des Übergangs in der Führung nach der Nachfolge, kann helfen, die Rollen der ausscheidenden sowie einsteigenden Generation klarer zu definieren. Bei späteren Nachfolgen ist der „Schatten“ nicht mehr relevant: Hier muss nach anderen Auslösern gesucht werden, meist sind Spannungen auf Streitigkeiten über Geld, Rollen, Anteile, Kontrolle oder Visionen für die Zukunft des Unternehmens zurückzuführen. Daher ist es auch sinnvoll, nicht nur Konflikte zu antizipieren und Bewältigungsstrategien zu entwickeln, sondern auch mit der gesamten Familie Vorstellungen über die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens zu dokumentieren und integrieren. 


Kurz & knapp

Wie wirkt sich die Nachfolge auf das Konfliktlevel im Familienunternehmen aus?

  1. Über Generationswechsel hinweg steigt das Konfliktlevel durch höhere Komplexität der Beziehungen an
  2. Der/die Gründer/in beeinflusst die Geschäfte der zweiten Generation auch nach dem eigenen Ausstieg – dieser Gründerschatten begünstigt ein höheres Konfliktlevel
  3. Nach späteren Nachfolgen (ab zweiter Generation) spielt eine Beteiligung der Vorgängergeneration keine Rolle mehr für Konflikte im Familienunternehmen
Geschrieben von Mara Bartling, Autorin bei Haus Next Insights

 

Das könnte dich auch interessieren.