Haus Next

Haus Night mit Isabel Grupp

In unserer Haus Night plaudern Next Gens aus dem Nähkästchen und berichten von ihrer Rolle in der Unternehmerfamilie. Am 14. April durften wir Isabel Grupp, Nachfolgerin des Zulieferers für die Kunststoffindustrie Plastro Mayer GmbH, begrüßen. Wir haben mit ihr über ihre Entscheidung, die Nachfolge anzutreten, gesprochen und wie man seine Authentizität als Next Gen durchsetzen kann.

Eins wird sehr schnell deutlich: Isabel Grupp ist präsent. Als Regionsvorsitzende des Verbandes Die Jungen Unternehmer, bei den Rotariern oder in diversen Podcasts und Interviews; Isabel inspiriert die ZuhörerInnen. Als Mentorin für Startups, Initiatorin von Female Empowerment-Programmen und Befürworterin des Leaderships nach “Führen mit Emotionen”, ist für sie ein Ziel stets präsent: die Rückgabe von Werten an die Gesellschaft.

Seit zehn Jahren ist Isabel Grupp mittlerweile im Familienunternehmen Plastro Mayer operativ tätig, in das sie direkt nach ihrem Studium über ein Trainee-Programm eingestiegen ist. Gemeinsam mit ihrem Vater leitet sie das Unternehmen in dritter Generation. Dabei war dieser klare Weg nicht immer eindeutig: Isabel erwähnt, dass man ja oft höre, man solle sich erst einen Erfahrungsschatz in anderen Unternehmen aufbauen, bevor man ins eigene Unternehmen einsteigt. Lange war die Nachfolgefrage kein Thema in der Familie. Nachdem ihr Bruder eine externe Karriere anstrebte, wurde die Frage allerdings das erste Mal konkret in den Raum gestellt; und damit eine Chance, die Fluch und Segen zugleich sein kann. Isabel erkannte einen entscheidenden Vorteil, den Next Gens einmal gut durchdenken sollten: Als junge/r Nachfolger/In kann man Fragen stellen – viele Fragen – und sich die Führungskräfte als Vorbilder nehmen. Als gemachte Führungskraft mit Vorerfahrung sind so manche Fragen eventuell nicht mehr angebracht.

Diese Idee sieht man auch daran, wie Isabel den ersten Tag im Familienunternehmen verbracht hat: Alle Führungskräfte wurden versammelt und Isabel wurde vorgestellt. Dabei hat sie selbst die Initiative ergriffen und einen wichtigen Satz gesagt: “Ich brauche Sie alle.” Eine entscheidende Haltungsartikulation: Als Next Gen sollte man mit dem Mindset agieren, dass man alle Mitarbeiter brauche, um sich zurechtfinden zu können in der neuen Umgebung. Das erleichtert den Informationsfluss und entfacht ungeahntes Potenzial der Kollaboration. Für eine erfolgreiche Integration sollte man die Haltung mitbringen, von den Menschen lernen zu wollen und nicht alles von Grund auf verändern zu wollen.

Wie in allen Nachfolgeprozessen ging er auch in diesem Fall mit einigen Herausforderungen einher. Isabel betont, dass sie sich Anfangs selbst großen Druck gemacht habe, ihr Idealbild einer Unternehmerin zu erfüllen: Perfektionismus, umfassendes Wissen und große Erwartung. Geprägt von konservativen Werten und Vorbildern hat sie dann aber erkannt, dass es keinem weiterhilft, ein Korsett aus gedachten Erwartungen auszufüllen; im Gegenteil: “Du sollst du sein und das authentisch.” So gelingt der Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist, nachhaltiger.

Radu Lefebvre & Lefebvre identifizieren in ihrer wissenschaftlichen Arbeit „Anticipating intergenerational management transfer of family firms: A typology of next generation’s future leadership projections“ vier Typen von Next Gens: Beschützer, Reformer, Opportunist und Rebell. In unserer Artikelserie “3 Minuten” bereiten wir Erkenntnisse aus der Forschung zu Familienunternehmen für dich auf – in nur drei Minuten Lesezeit. Den Link zu dieser Arbeit findest du hier.

Blickt man auf die vier identifizierten Nachfolgetypen, spielt vor allem die Kategorie “Reformer” immer wieder eine entscheidende Rolle. Doch wie kann man als Next Gen eine eigene Vision einbringen, ohne bestehende Werte und Traditionen zu verletzen? Im Fall von Isabel war das kein großes Problem: Sie teilt die Familienwerte – Respekt, Verbindlichkeit, Zuverlässigkeit und Fokus auf den Menschen – und würde diese nicht revolutionieren wollen. Vielmehr sind es andere Visionen, die sie einbringt: Schwerpunkte auf Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Führung mit Emotionen. Diese Themen sieht sie anders und lebt sie anders als es noch ihr Vater macht. Eine starke Positionierung gelingt dabei vor allem durch Kommunikation, eine klare Erwartungshaltung – gegenseitig – und – wie Isabel es nennt – “radikale Ehrlichkeit”. Das seien die Grundbausteine ihres Erfolgs und auch der Grundstein, um Innovationen einzubringen, ohne Traditionen zu verletzen. Bei Isabel waren das vor allem folgende Themen: Führungsstil, Organisationsentwicklung, Employer Branding, Prozessoptimierung.

Durch ihren Einstieg hat sich einiges im Familienunternehmen getan. Besonders ihr Fokus auf emotionales Führen, das Ziele vorgibt und im Gegensatz zu hierarchischen Strategien Raum für Eigeninitiative lässt, hat sich parallel zu der Haltung ihres Vaters entwickelt. In den fünf Jahren in der Geschäftsleitung hat sie außerdem einen weiteren Meilenstein erreicht: dem Unternehmen ein Gesicht geben. Als Zulieferer im B2B-Segment ist man eher unter dem Radar vieler Menschen, was für die Personalsuche allerdings negativ ist. Ihr Engagement zeigt sehr effektiv, wie wichtig es ist, Aufmerksamkeit und Präsenz zu schaffen. Als Tipp für alle Next Gens, die nicht genau wissen, wie sie diesen Weg starten sollen: “Einfach mal loslegen und nicht zu viel darüber nachdenken.” Wie ein Schneeball, der ins Rollen gebracht wird, kommt vieles automatisch wenn man einmal loslegt. Der Anfang ist das schwerste. Doch man sollte sich dabei wohlfühlen und bewusst authentisch bleiben. Alle außerunternehmerischen Aktivitäten gehen mit der Firma ineinander über, da Öffentlichkeitsarbeit die Position als Unternehmerin entscheidend prägen. “Alles was ich mache, mache ich für das Unternehmen.”

Im Moment gibt es keine Pläne, die Führungsspitze aufzubrechen und Isabel ist auch zufrieden damit: “Es gibt keinen Plan und ich bin zufrieden damit.” Man wird erinnert an das Mantra, dass man dem Zufall vertrauen muss, Dinge anstoßen sollte und dann auf den richtigen Moment warten soll; oder wie man auch sagt: “Je mehr man plant, desto stärker trifft einen der Zufall.” So auch die Antwort auf die Frage: “Familienunternehmen. Lebenslänglich?” “Wer weiß was kommt, man weiß es nicht. Ich wünsche es mir, aber es ist unberechenbar”, so Isabel Grupp.

Ein weiterer Punkt kam im Gespräch zu Tage, den Next Gens ebenfalls im Hinterkopf behalten sollen: in der Trennung von Unternehmen und Familie sollte man auch eine Rollentrennung betonen: in manchen Situationen sei es gut und notwendig, dass dein Papa einfach Papa ist und nicht Co-Geschäftsführer.

Zum Ende unseres Gesprächs haben wir Isabel noch einige Fragen zu den zukünftigen Next Gens des Mittelstands gestellt. Eine davon war, was sie sich von der nächsten Generation wünscht. Zentral war dabei eine Rückbesinnung auf Werte. Aktuell beobachtet man einen Trend zu Unverbindlichkeit, Respektlosigkeit und wenig Authentizität. Dies endet in oberflächlichen Beziehungen und grundlegende menschliche Werte werden oft missachtet. Man hält sich alles offen; doch vielmehr sollten man sich stärker commiten, Verantwortung tragen und mehr machen statt nur sagen. Diese Haltung kommt vor allem hervor wenn man mit Isabel über das Herzensthema “Emotionale Führung” spricht. Sie betont, wie wichtig ihr der persönliche Kontakt zu allen MitarbeiterInnen sei und sich dabei nahbar und authentisch zu positionieren. Ich denke, dass diese Haltung und diese Sicht auf den Menschen genau das ist, was wir in unserer unternehmerischen Kultur und Identität noch viel stärker verankern sollten.

Außerdem wollten wir von Isabel natürlich noch wissen, was die Do´s und Dont´s sind, die sie anderen Next Gens für die Rollenfindung mit auf den Weg geben möchte.

Do´sDont´s
Authentisch bleibenNichts Schlechtreden
Vertrauen habenKommunikationsstil, der statt auf Angriff auf Konstruktivität setzt
wertebasiertes HandelnKeine Konflikte vor Mitarbeitern
Radikale EhrlichkeitAn einem Strang ziehen, auch wenn man nicht die gleiche Meinung hat
RespektEmotionen auf der Geschäftsebene außen vor lassen
Aufrichtige und faire Kommunikation
Do´s and Dont´s für Next Gens

Zum Abschluss noch die Frage, die wir jedem Haus Night Gast stellen: Welchen Satz würdest du auf unsere digitale Hauswand schreiben?

“Be you. Sei du selbst. Kopiere keinen und lebe deinen eigenen Stil – jeder ist anders.”

Isabel Grupp

In diesem Sinne möchten wir uns ganz herzlich bei Isabel Grupp für die offenen und ehrlichen Worte bedanken und allen Next Gens möchten wir diese weise Botschaft heute mit auf den Weg geben: “Be you. Sei du selbst.”

Geschrieben von Robert Schacherbauer, Autor bei Haus Next Insights

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