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Modern Family II – Netflix and Learn Vol. 4

Worum geht’s?

Modern Family, eine der beliebtesten Sitcoms auf Netflix, lässt uns mit viel Humor am alltäglichen Chaos einer großen Patchwork-Familie teilnehmen. In Modern Family überwinden die Protagonisten/innen nicht nur die Hürden des Alltags, sondern sie werden auch immer wieder mit ihren eigenen und den Problemen innerhalb der Familie konfrontiert, die sie herrlich menschlich meistern. Selten schafft es eine Serie Ihre Charaktere so pointiert darzustellen. 

In der Patchwork-Familie gibt es aber eben nicht nur die Familie, sondern auch ein Unternehmen sitzt abends mit am Tisch. In den mittlerweile schon Zehn in Deutschland veröffentlichten Staffeln kommt es daher neben üblichen Familienkonflikten auch immer wieder mal zu kleinen oder größeren Problemen im Unternehmen. Das Familienunternehmen, ‚Pritchett’s Closets & Blinds‘, wurde von Jay Pritchett, dem Vater von Claire und Mitchell, gegründet. Jay’s Kinder erinnern sich in der Serie immer wieder an einen Vater, der Tag und Nacht arbeitete um sich Stück für Stück seinen ‚American Dream‘ zu erfüllen. Stichwort “seinen” Traum ist hier Programm. Ab der 5. Staffel steigt dann mit Claire, die 20 Jahre Mutter und Hausfrau war, die Next Gen, mit ins Familienunternehmen ein. Konflikte vorprogrammiert?

Der letzte Blogbeitrag widmete sich Staffel 5, Folge 2, ‘Erste Tage’. In dieser Folge hatte Claire, nach 20 Jahren “Auszeit“, ihren ersten Tag bei der neuen Arbeit im Unternehmen ihres Vaters. Dabei gab es gleich mehrere Konflikte: Mit dem Vater über veraltete Führungsstile, eine unglückliche Kündigung, die eine kleine IT-Katastrophe auslöste und mehrere Rollenkonflikte Claire’s mit sich selbst und mit ihrer Familie, ihrem Vater/ Chef und neuen Kolleg/innen. Das Schlamassel, das in der Folge ‘Erste Tage’ entsteht, zeigt nicht nur das Konfliktpotential der beiden Generationen und deren unterschiedliche Wertevorstellungen auf, es lässt uns auch an den Schwierigkeiten des Einstiegs als Next Gen im eigenen Familienunternehmen teilhaben. Trotz des Chaos schaffen es die Akteure/innen von Modern Family immer, die Situation irgendwie doch ganz gut zu meistern – ehrlich und humorvoll. Die Folge zeigt uns, wie wir uns zwischen den Generationen verständigen können, durch Nachsicht und das gegenseitige Ernstnehmen. 

In diesem Beitrag widmen wir uns Staffel 5, Folge 8, ‘Houston, wir haben ein Problem’. In dieser Folge hat Claire ihren Vater widerwillig dazu überredet an der sogenannten ClosetCon, Amerikas Nummer Eins Fachmesse für die Schrankindustrie, nach Jahren wieder  teilzunehmen.

Dabei gibt es ein paar interessante Begegnungen. Gerade im Hotel in Houston angekommen, schon das erste Problem: Die Hotelreservierung ist verloren gegangen. Jay, genervt von den Wucherpreisen des Hotels während der Messezeit, ist schlecht gelaunt und schläft jetzt auch noch auf einer Schlafcouch. Claire’s Vorfreude auf die Messe lässt sich aber weder von der schlechten Laune ihres Vaters, noch des kleinen Hoteldebakels mindern – Claire ist geradezu aufgeregt. Voller Enthusiasmus und Tatendrang schaut sie sich die Agenda und Vorträge der verschiedenen Messetermine an: Sie ist hier um zu lernen. Jay reagiert darauf mit: „Kleiner Tipp, die Vorträge sind was für Looser. Die richtige Arbeit findet an der Bar statt“.  An der Hotelbar findet sich Claire auch am Abend vor dem offiziellen  Auftakt des Messebeginns wieder, dort ist so einiges los: Viele Männer, noch mehr Alkohol, ein wenig Business und viel Aufreißlaune. Ihr begegnet eine von Männern dominierte Branche, die so einige Stereotypen von Geschäftsreisen bestätigt. Unter anderem beobachtet sie, wie ihr Vater von einer Dame, Rita, umgarnt wird und plötzlich befindet sich Claire mitten in ihren Erinnerungen an ihre Kindheit und Ehe ihrer Eltern. Rita und Jay amüsieren sich prächtig und erinnern sich an die guten alten Zeiten und eine alte Tradition, die es für die Neulinge auf der ClosetCon gibt. Claire ist sich sicher, die beiden hatten früher eine Affäre und übersieht dabei, dass die beiden etwas völlig anderes aushecken. 

Claire versucht am Abend noch mit ihrem Vater ins Gespräch zu kommen, sie möchte ihre Annahmen locker, lässig, eben ganz erwachsen und professionell ansprechen, während Jay versucht Claire dazu zu bringen, den Kleiderschrank zu öffnen. Im Kleiderschrank wartet nämlich, nach alter ClosetCon Tradition, ein Skelett auf Neuling Claire. Das Gespräch führt erst zu einigen Missverständnissen, die ‘Leichen im Schrank‘ kommen so wortwörtlich zum Vorschein: Claire denkt, Jay habe eine Affäre mit Rita gehabt, Jay wiederum denkt, Claire wolle mit ihm klären, dass er Phil, Claire’s Mann, anfangs nicht leiden konnte und loswerden wollte. Neben dem wahren Skelett im Schrank kommen beim Streit noch ein paar weitere Dinge, die zwischen den beiden stehen, zum Tageslicht. Letztendlich sind sie quitt und können sich aussprechen. Was sie nicht ahnen, bei Jay zu Hause drehen Jay’s und Claire’s Familie fast durch, weil sie versuchen Jay’s seltenes Sammlerstück eines Originalnachbaus der Apollo 13 zu reparieren, nachdem ihnen sein Heiligtum in Einzelteile zerfallen ist. 

Jay ist für die Familie quasi selbst eine Verkörperung der Apollo Missionen: Jay, der nie aufgab, der trotz Widerstände immer wieder weitermachte und sich nicht beirren ließ seinen amerikanischen Traum aufzubauen, oder den komplizierten Nachbau der Appollo 13 und ihrer tausend kleinen Einzelteile. Neben der Heroisierung und Bewunderung von Jay als Geschäftsmann und Patriarch lernen wir während der Sendung, wie Jay seinen weichen Kern kennenlernt und das nicht zuletzt auch wegen der beruflichen Zusammenarbeit mit seiner Tochter. Claire begegnet in Houston eine Branche, die sehr stereotypisch männerdominiert ist, in der sie als Frau, die sich gerade erst im Kleiderschrankbusiness und Familienunternehmen zurecht zu finden versucht, ihren ‘Mann‘ stehen muss. Sie lässt sich aber ihren Enthusiasmus und Tatendrang nicht nehmen, auch nicht, wenn ihr Vater meint, auf der Messe gäbe es nichts zu lernen und man sehe ja sowieso immer dieselben alten Gesichter. Letztendlich hat die gemeinsame Reise nach Houston Claire und Jay zusammengeschweißt. Sie hatte ihren widerspenstigen Vater überredet, mal wieder auf die Messe zu gehen und dabei war es überraschend für Jay, wie seine Tochter wirklich ihren Wissenshorizont erweitern konnte und Dinge mitnahm, die an ihm immer vorbei gegangen waren.

Jay’s Kontakte und seine jahrelange Erfahrung bleiben wertvoll – Socializen und networken an der Bar bleiben wohl das A und O – aber warum nicht eine Kombination aus neuem Wissen und Barabend? 

Claire und Jay zeigen auf hervorragende Weise, wie wichtig es ist, erstens die verstaubten ‘Leichen’ hervorzuholen und miteinander zu kommunizieren. Zweitens, wie wichtig es ist, Expertise und Know-how weiterzugeben, ohne dabei den Enthusiasmus und frischen Unternehmergeist der Next Gens auszubremsen. Meistens gibt es eben doch einen Mittelweg. Die gemeinsame Hotelreise zeigt, wie Privates und Berufliches doch immer irgendwie zusammenhängen – wenn Zuhause fast alle durchdrehen, weil sie Jay’s Apollo 13 kaputt gemacht haben – wie viel Bewunderung es für die Gründergeneration gibt. Dabei ist es aber wichtig, da kommen wir zu drittens, den Kindern und nachfolgenden Generationen eine Nische zu bieten, in denen sie noch etwas bewegen können, ihre Aufgabe finden können. Denn, einen Schrank kann man nun mal nicht so oft wieder neu erfinden. Da ist es manchmal schwer, im Schatten der Vorangegangen selbst etwas Großes zu schaffen. Es muss ja auch nicht immer unbedingt etwas Großes geschaffen werden. Aber man sollte als Next Gen die Möglichkeit haben, den eigenen Fingerabdruck erkennbar zu machen und dabei kann und muss die ältere Generation helfen, um diesen Freiraum und nötige Unterstützung zu schaffen. Dazu gehört genau diese kontinuierliche Entwicklung, die wir in Modern Family in ihrem täglichen Familienalltag sehen: Egal wie chaotisch, egal wie verworren, sie werden es nicht müde, Schritte aufeinander zuzugehen und miteinander zu sprechen. Denn manchmal tendieren wir dazu, Dinge schlimmer zu machen als sie vielleicht sind – da können wir lernen, einfach mal die Luft rauszulassen, so wie Claire mutig mit ihrem Vater gesprochen hat und dann klären sich manche Dinge wie von selbst – oder, man muss eben an ihnen arbeiten, denn ein Familienunternehmen ist und bleibt eine familiäre Geschäftsbeziehung. 

Schaut doch mal in Modern Family rein und lernt von den Pritchett’s und Dunphy’s – denn, Fehler machen wir alle, ob Privat oder im Beruf, aber mit ihnen Umzugehen und aus ihnen zu lernen, das ist die Kunst.

Geschrieben von Maya Bernhard, Autorin bei Haus Next Insights

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