Haus Next

Die Gesellschafterrolle im Familienunternehmen

Willkommen bei Next Gen Unplugged! Unser Format, das deine Wünsche, deine Sorgen und deine Fragen zu deiner Rolle in der Unternehmerfamilie behandelt.

Unser Anliegen bei Haus Next ist, dich in der eigenen Rollenfindung zu unterstützen und dir verschiedenste Perspektiven aufzuzeigen. Denn mittlerweile gilt nicht mehr das Credo, dass die Nachfolge lange Zeit dominiert hat: „Entweder trittst du die Nachfolge im Familienunternehmen oder nicht.“ Die Realität ist viel komplexer und mehrdimensionaler als, dass man sie so stark vereinfachen könnte. Unsere Mitgründerin Dinah spricht dabei vom Wandel der Sicht auf das Familienunternehmen hin zur Unternehmerfamilie.

Besonders wenn komplexere Konstellationen vorliegen, mehrere Geschwister für die Nachfolge in Frage kommen oder potentielle NachfolgerInnen bewusst nicht operativ tätig werden wollen, zeigt sich, dass es eben nicht nur den einen klaren Weg gibt. In diesem Artikel möchten wir dir die Gesellschafterrolle näher bringen: Was heißt es eigentlich, GesellschafterIn zu sein, welche Verantwortung trägt man als GesellschafterIn und wieso kann diese Funktion für dich als Next Gen relevant und eine wirkliche Option sein?

Was heißt es, GesellschafterIn zu sein?

Als GesellschafterIn des Familienunternehmens erhältst du Anteile am Familienunternehmen und damit auch Kapital- und Stimmrechte, was im Gesellschaftsvertrag verankert wird. Grundsätzlich muss man die Anteile durch Einsatz von Kapital durch Sach- oder Geldwerte erwerben, in vielen Familienunternehmen trifft dies aber nicht zwangsläufig zu; Anteile können auch übertragen werden. In unserem letzten Artikel aus der Reihe „3 Minuten“ haben wir die wissenschaftliche Perspektive auf die Frage, was Next Gens erwarten, für das Familienunternehmen zahlen zu müssen, beleuchtet. Hier kannst du dazu noch mehr nachlesen.

Die Gesellschafterrolle ist insofern interessant, da sie den Weg für zwei grundsätzliche Zukunftsentscheidungen ebnet: zum einen kannst du nach wie vor operativ in das Familienunternehmen einsteigen, musst dies aber nicht zwangsläufig vollziehen falls du andere Interessen oder eine eigene Karriere außerhalb des Unternehmens verfolgen möchtest. Unabhängig davon, wie du dich entscheidest, bleibt aber das persönliche Band zwischen den Gesellschaftern und besonders zum Familienunternehmen langfristig und nachhaltig bestehen. So kannst du, ohne operativ zu wirken, das Familienunternehmen mitgestalten und einen wesentlichen Einfluss auf die Weiterentwicklung nehmen.

Welche Rechte und Pflichten habe ich?

Grundsätzlich ist man als GesellschafterIn dazu verpflichtet, der Gesellschaft gegenüber loyal zu sein, die gemeinsam vereinbarten Ziele und den Gesellschaftszweck zu fördern sowie jeglichen Schaden von der Gesellschaft abzuwenden. In bestimmten Fällen kann sich aus dieser Treupflicht auf ein Wettbewerbsverbot ergeben, was man besonders bei einer eigenen Karriere in der gleichen Branche im Hinterkopf behalten sollte.

Als GesellschafterIn genießt du natürlich auch Rechte. Zum einen erwirbst du durch deine Gesellschafterrolle (sofern es sich um keine stille Gesellschaft handelt) Kapital- und Stimmrechte am Familienunternehmen. Das heißt du wirst künftig am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens teilhaben und gleichzeitig den zukünftigen Kurs in der Gesellschafterversammlung mitgestalten. Zu deinen konkreten Aufgaben zählt die Festlegung der Unternehmenspolitik, die Verantwortung für den Erhalt des Stammkapitals, die Berufung, Anleitung und Überwachung der Geschäftsführung und natürlich auch der Erhalt der Familienwerte. In Gesellschafterversammlungen kannst du dein Stimmrecht ausüben und bei zukünftigen Strategieentscheidungen mitwirken. Wenn im Familienunternehmen selbst keine Familienmitglieder mehr operativ tätig sind, werden nach wie vor die Werte der Familie in das Unternehmen getragen.

Wieso ist die Gesellschafterrolle für mich als Next Gen relevant?

Was das Kernkriterium eines Familienunternehmens nach Meinung von Prof. Dr. Andreas Wiedemann, Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen, ausmacht, ist die besonders Verbundenheit zwischen dem Unternehmen und der Familie, die sich durch besondere Werte auszeichnet. Um diese Verbindung nachhaltig zu stärken ist die Aufnahme von Familienmitgliedern als GesellschafterInnen eine wahre Bereicherung für das Familienunternehmen. Wie das Institut für Mittelstandsforschung in einer 2018 durchgeführten Studie herausgefunden hat, wirkt sich die durch die familiäre Bindung entstandene Vertrautheit mit dem Unternehmen positiv auf die Gesellschafterrolle aus.  Indirekt wird diese Verbundenheit auch durch die kindliche Prägung bewirkt.

Dennoch werden zwei zentrale Punkte in der wissenschaftlichen wie praktischen Auseinandersetzung mit der Gesellschafterrolle im Familienunternehmen sehr schnell deutlich:

  1. Nachhaltige Verbundenheit 

Unabhängig von der Frage, ob man eine aktive operative im Familienunternehmen einnehmen möchte, ist die Gesellschafterrolle eine sehr gute Möglichkeit, das Familienunternehmen besser kennenzulernen, die Familienwerte nachhaltig in die Zukunft zu führen und seine Rolle innerhalb der Unternehmerfamilie einzunehmen.

  1. Flexiblität und Stabilität

Die Gesellschafterrolle bietet große Flexiblität: zum einen kannst du nach wie vor operativ ins Unternehmen einsteigen, musst dies aber nicht zwangsläufig falls du andere Pläne entwickelst. Genauso bietet es dir aber auch eine gewisse Stabilität, die dir größere Freiheiten bei der Entdeckung eigener Interessen bietet.

Was sollte ich dennoch beachten? 

Familienunternehmen gelten nach wie vor als Erfolgsmodell, doch sie sind auch fragile Gebilde. Fühlen Sich einzelne Mitglieder der Familie oder sogar GesellschafterInnen benachteiligt, kann der Zusammenhalt schneller gefährdet werden, als dies vermutlich bei anderen Gesellschaftern der Fall ist. Der Psychologe Arist von Schlippe geht davon aus, dass sich bei rund 30 bis 35 Prozent aller Familienunternehmen im Laufe der Zeit Konflikte entwickeln. Deshalb möchten wir dir mit auf den Weg geben, dass eine Aufnahme in den Gesellschafterkreis des Familienunternehmens mit allen Familienmitgliedern intensiv besprochen und diskutiert werden müssen und die Ergebnisse auch im Gesellschaftsvertrag festgehalten werden. So minimiert man nicht nur aktuelles, sondern auch zukünftiges Konfliktpotenzial.

Wie du siehst ist die Gesellschafterrolle eine interessante Option für dich als Next Gen, da sie dir hilft, das Familienunternehmen besser kennenzulernen und ebenso festzustellen, wie du deine Zukunft gestalten möchtest. Letzte Woche hatte wir in unserer Haus Topic die Expertin Dr. Anne Heider vom Wittener Institut für Familienunternehmen zu Gast, die uns tiefe Einblicke in dieses Thema gewährt hat. In Kürze erfährst du mehr darüber in unserem Haus Topic Recap.

Geschrieben von Robert Schacherbauer, Autor bei Haus Next Insights

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