Haus Next

Haus Night mit Lena Schaumann

In unserer Haus Night plaudern Next Gens aus dem Nähkästchen und berichten von ihrer Rolle in der Unternehmerfamilie. Am Dienstag, den 16.03.2021, durften wir Lena Schaumann begrüßen.

In unserer Haus Night plauderte Next Gen Lena Schaumann aus dem Nähkästchen und berichtete von ihrer Rolle in der Unternehmerfamilie. Das Familienunternehmen Möbel Schaumann blickt auf eine lange Geschichte zurück: 1912 gründete Schreinermeister Hermann Schaumann die Firma. 1956 übernahm sein Sohn das Familienunternehmen, nachdem es während des zweiten Weltkriegs vollständig zerstört worden war. Gerhard Schaumann baute das Unternehmen wieder auf und vergrößerte es zeitgemäß. 1988 übernahm sein Sohn Hermann Schaumann in dritter Generation das Unternehmen und verhalf dem Möbelhaus zu neuer Größe. Mit Lena Schaumann befindet sich das Familienunternehmen nun in der vierten Generation – dabei war es für Lena lange Zeit gar keine Option in das Familienunternehmen einzusteigen.

Der Weg in das Familienunternehmen

Das Familienunternehmen begleitete Lena Schaumann von klein auf und es war stets Gesprächsthema am Essenstisch. Doch tatsächlich in das Unternehmen einzusteigen war lange keine Option für sie. Ihren BWL-Bachelor absolvierte sie an der WHU, ihre Bachelorarbeit, die sie am Lehrstuhl für Marketing über „Multichannel im Möbelhandel“ schrieb, verhalf ihr schließlich zu ihrem eigenen Start-up. Lena Schaumann gründete schließlich „Lumizil“ – einen online Möbelhandel. Investoren waren schnell gefunden, unter ihnen auch ihr Vater. Rückblickend war ihr Start-up dann doch der Weg ins Familienunternehmen: es verhalf ihr auf Augenhöhe mit ihrem Vater zu kommen. Mit der Zeit übernahm sie immer mehr Projekte für das Möbelhaus Schaumann und stand schließlich vor der Entscheidung: Lumizil oder Familienunternehmen? Letztendlich, erzählt Lena, war es eine emotionale Entscheidung. Sie konnte es sich nicht vorstellen, dass es das Familienunternehmen nicht mehr geben sollte. Nachdem sie ihren Wunsch Ende 2018 gegenüber ihrem Vater äußerte, dass sie das Möbelhaus Schaumann gerne übernehmen würde, stieg sie 2019 als vierte Generation in die Geschäftsführung ein. Ein reibungsloser Einstieg war es jedoch nicht.

Geschwisterfrage in der Unternehmerfamilie

Es sollte eigentlich nur einen Nachfolger für das Familienunternehmen geben. Ihr jüngerer Bruder arbeitete 2018, als sie sich zur Übernahme entschlossen hatte, auch im Familienunternehmen. Es war eine schwierige Übergangsphase, in der die Kommunikation teilweise kompliziert war. Schließlich half ihnen ein Mentor, der Steuerberater ihres Vaters, das Thema Erbschaft und Nachfolge zu klären. Lena ist heute die Nachfolgerin für das Möbelhaus Schaumann während ihr Bruder das vom Vater gegründete Unternehmen „Meine Küche“ übernahm – ganz trennten sich ihre Wege jedoch nicht, so nutzen sie heute noch gemeinsame Synergien wie die Buchhaltung und das Lager. Ihre neun Jahre jüngere Schwester hatte keinen Anspruch auf einen Einstieg in das Familienunternehmen gestellt. Lena berichtete von den Schwierigkeiten bei der Einigung, aber auch dass sie das Familienunternehmen nicht um jeden Preis übernommen hätte – eine Einigung zwischen ihr und ihren Geschwistern stand für sie an erster Stelle. Gerade die Gerechtigkeitsfrage unter Geschwistern stellt in Familienunternehmen eine große Herausforderung dar, da es niemals zu 100 % fair zugehen kann. 

Neue Visionen für das Familienunternehmen und der Nachfolgeprozess

Lena leitet derzeit das operative Geschäft während ihr Vater für die Buchhaltung und das Controlling zuständig ist und in vielerlei Hinsicht eine beratende Rolle einnimmt. Mit ihrem Einstieg in das Familienunternehmen war Lena auch klar, dass sie ihre Visionen umsetzen und ihr Wissen von Lumizil ins Familienunternehmen einbringen möchte. Ihr wichtigstes Anliegen war es die familiären Werte im Unternehmen zu stärken und wieder eine Verbindung zur Region zu etablieren. Ihr Ziel ist ein Wandel der Unternehmenskultur. Eine wichtige Erkenntnis für sie war dabei, dass sie ihre Vorstellungen nicht einfach implementieren konnte, sondern dass ihre Visionen von den Mitarbeitern und Führungskräften geteilt werden müssen und diese selber ein wichtiger Bestandteil der Umsetzung sind. So ist die Implementierung und der Wandel der Unternehmenskultur ein andauernder Prozess. Lenas Vater trat dabei bewusst einen Schritt zurück, um ihr die Möglichkeit zu geben ihre Ideen umzusetzen, da er offen kommunizierte, dass er kein guter Beifahrer wäre und dazu tendieren würde ihr ins Lenkrad zu greifen. 

Um ihre eigenen Fähigkeiten als Führungskraft auszubauen und zu verbessern macht Lena derzeit auch eine Coaching Ausbildung. Sie selbst hat während des Übernahmeprozesses viel Coaching in Anspruch genommen – die Ausbildung hilft ihr noch mehr über sich selbst zu lernen, so ihre Angestellten besser zu motivieren und mehr Flexibilität und Kreativität durch ihren Führungsstil im Unternehmen zu fördern. Gleichzeitig wird sie so auch selbstsicherer in ihren Entscheidungen. 

Wir danken Lena für ihre Offenheit beim Gespräch über ihre eigene Rollenfindung und ihre Herausforderungen. In ihrem eigenen Podcast „Hermann & ich“ spricht sie mit anderen Next Gens über deren Rollenfindung. Zum Abschluss gibt Lena anderen Next Gens noch ein Zitat mit auf den Weg: 

Gewinn ist nie ein Unternehmensziel. Der Gewinn ist Bedingung für Unternehmertum, so wie Sie atmen müssen, um zu leben. 

Götz Werner (DM)
Geschrieben von Viviane Rückner, Autorin bei Haus Next Insights

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