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Hey nächste Generation, hast du mal drei Minuten?

Wir bereiten Erkenntnisse aus der Forschung zu Familienunternehmen für dich auf – in nur drei Minuten Lesezeit.


Zellweger, Richards, Sieger & Patel: „How Much Am I Expected to Pay for My Parents’ Firm? An Institutional Logics Perspective on Family Discounts”

Zum Familienpreis? Was Next Gens erwarten, für das Familienunternehmen zahlen zu müssen

Oft wird angenommen, Nachfolgerinnen und Nachfolger müssten für das Familienunternehmen kein Geld bezahlen, wenn sie dieses als Erben übernehmen – tatsächlich aber basiert der Transfer eines Unternehmens selten nur auf Altruismus. Genaueres ist aber in der Forschung über den Preis, den der Nachwuchs an die Elterngeneration zahlen muss, nicht bekannt, nicht zuletzt auch deswegen, weil Geld in den meisten Kulturkreisen ein eher privates Thema ist. Um diese Lücke zu schließen und der „Preisfrage“ nachzugehen, befragen Zellweger, Richards, Sieger und Patel über 3 000 Next Gens aus 16 Ländern dazu, welchen Betrag sie im Vergleich zu externen Kaufinteressierten für das Familienunternehmen erwarten zahlen zu müssen, oder in anderen Worten: welchen Rabatt Familienmitglieder für das Unternehmen der Eltern antizipieren. Dabei wenden die Forschenden die Theorie der institutionellen Logik an.

Warum ist institutionelle Logik für den Familienrabatt wichtig?

Institutionelle Logik beschreibt sozial konstruierte Wertevorstellungen und Überzeugungen, die tägliche Handlungen von Individuen in Organisationen prägen und lenken. Die Familie als zentrale Institutionen beeinflusst dabei die Erwartungen an die unterschiedlichen Rollen von Mitgliedern, die an deren Legitimität in der Familie geknüpft sind, und somit auch auf Entscheidungsprozesse in Familie und Unternehmen einwirken („Familienlogik“). In Bezug auf die Nachfolge sind vier familiäre Normen zentral. Auf der Seite der älteren Generation besteht zum einen elterlicher Altruismus, der Eltern dazu veranlasst, selbstlos für ihre Kinder zu sorgen, und zum anderen ein elterliches Eigeninteresse daran, ein generationenübergreifendes Vermächtnis zu schaffen. Von Next Gens wird auf der anderen Seite erwartet, in kindlicher Reziprozität die elterliche Unterstützung zu erwidern, und aufgrund von Kindespflicht für die Versorgung der Eltern im Alter aufzukommen. Diese Normen werden dabei durch sogenannte Kontextstimuli in das Bewusstsein der beteiligten Familienmitglieder gerufen. Für ihre Studie untersuchen die Forschenden vier Stimuli: den Familienzusammenhalt, die Absicht, das Unternehmen über Generationen hinweg in Familienkontrolle zu halten, die Versagensangst der Next Gen und die Kapitalbeteiligung der Familie. 

Wie wirken sich die Stimuli auf den Familienrabatt aus?

Von starkem Familienzusammenhalt spricht man, wenn sich Familienmitglieder emotional nah sind und ein hoher Grad an Loyalität und Verantwortungsbewusstsein für ihre Beziehung untereinander charakteristisch ist. In solchen Unternehmerfamilien ist elterlicher Altruismus stark ausgeprägt: Eltern möchten das Beste für den Nachwuchs, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Das Forschungsteam stellt empirisch fest, dass in einem solchen Umfeld erwartete Preisermäßigungen höher ausfallen. Obwohl angenommen wird, dass der Rabatt durch elterliches Interesse am Fortbestehen des Unternehmens (im Sinne eines eigenmotivierten Vermächtnisses) ebenfalls steigt, lässt sich dies nicht anhand der Befragung belegen. Letztere zeigt allerdings eine negative Beziehung zwischen Versagensangst der Next Gen und erwartetem Preisnachlass für das Familienunternehmen bei Antritt der Nachfolge. Traut sich ein(e) Next Gen weniger zu und glaubt somit, die elterliche Unterstützung nicht ausreichend in der Unternehmensführung erwidern zu können, so erwartet er oder sie einen geringeren Rabatt. Schließlich stellt das Team auch fest, dass ein hoher Kapitalanteil der Familie am Unternehmen und die damit verbundene Abhängigkeit der Eltern von einem höheren Preis für ihre Altersvorsorge zu einem geringeren erwarteten Rabatt führt. Hier tritt der Norm der Kindespflicht in den Vordergrund. 

Was hat der Bildungsgrad damit zu tun?

Nicht nur die Familienlogik, sondern auch die Marktlogik beeinflusst Erwartungen an den für die Unternehmensnachfolge zu zahlenden Betrag. Marktlogik beschreibt dabei ein wirtschaftliches Verständnis der Übernahme, das Familienmitglieder in formaler Hochschulbildung entwickeln. Denkt eine Unternehmerfamilie dementsprechend weniger in Familienlogik und mehr in rationaler Nutzenmaximierung, so verlieren die Stimuli ihre Wirkung auf die Familiennormen und somit die Rabatterwartungen. Konkret wird festgestellt, dass eine wirtschaftswissenschaftliche Hochschulbildung die positive Beziehung zwischen Familienzusammenhalt und erwartetem Rabatt, sowie die negativen Beziehungen zwischen Versagensangst und erwartetem Rabatt und Familienkapitalanteil und erwartetem Rabatt abschwächt. In diesen Fällen leitet sich der Preis vom Marktwert der zukünftigen Umsatzströme des Geschäftes ab – nicht aber von Eltern-Kind-Beziehungen und familiären Erwartungen. 

Was bedeutet das für mich?

Aus der Studie kannst du einige wichtige Erkenntnisse des Preisfindungsprozesses im Familienunternehmen ableiten, die dabei helfen können, die Diskussion anzuregen, deren Komplexität zu verstehen und schließlich auch Konflikte in der Familie zu vermeiden. Bei der Erwartung des Familienrabattes spielen sowohl familiäre als auch marktbezogene Logik eine wichtige Rolle. In einer Unternehmerfamilie geht es eben nicht nur um finanzielle Gewinne, sondern auch um Reziprozität, Verantwortung, Altruismus und Selbsterfüllung. Unterschiedliche Stimuli aktivieren diese Normen: Zusammenhalt erhöht erwartete Rabatte, während Versagensangst und hoher Kapitalanteil diese sinken lassen – wenn die betroffenen Familienmitglieder allerdings wirtschaftlich ausgebildet sind, werden diese Stimuli auf familiäre Normen weniger relevant. Es sollte betont werden, dass sich die Studie mit den Erwartungen der Next Gen an den Preisnachlass beschäftigt – ob und wie dieser schließlich ausfällt hängt davon ab, welche Bedeutung Familien der internen Unternehmensnachfolge zuschreiben.  


Kurz & knapp

Wovon hängt ab, welche Familienrabatte Next Gens für das Unternehmen erwarten?

  1. Von der Familienlogik: Elterlicher Altruismus, elterliches Selbstinteresse, kindliche Reziprozität und kindliche Pflicht sind relevante Familiennormen
  2. Diese Normen werden durch Stimuli aktiviert: familiärer Zusammenhalt erhöht erwartete Rabatte, Versagensängste der Next Gen und hoher Kapitalanteil der Familie am Unternehmen senken sie
  3. Bei wirtschaftswissenschaftlicher Ausbildung der Next Gen werden diese Effekte abgeschwächt – die Marktlogik setzt sich durch
Geschrieben von Mara Bartling, Autorin bei Haus Next Insights

 

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