Haus Next

Haus Night mit Clemens Sommerfeld

In unserer Haus Night plaudern Next Gens aus dem Nähkästchen und berichten von ihrer Rolle in der Unternehmerfamilie. Am Dienstag, den 16.02.2021, durften wir Clemens Sommerfeld, Geschäftsführer von BKS Binnenschiffahrtskontor Sommerfeld GmbH begrüßen.

Das Familienunternehmen ist eine unabhängige, mittelständische Reederei in der Hansestadt Buxtehude. 1991 wurde es von Rudolf und Dorothea Sommerfeld gegründet und wird mittlerweile in zweiter Familiengeneration von ihrem Sohn Clemens fortgeführt. 2006 wurde der Werftstandort Hamburg-Harburg in das Unternehmen eingebunden und damit das Standbein der Bootsreparatur in ihr Repertoire aufgenommen. Auch Clemens Bruder war im Familienunternehmen tätig, hat dieses jedoch nach einiger Zeit wieder verlassen. In unserer Haus Night hatten wir die Gelegenheit, mit Clemens über die Herausforderungen in der familieninternen Nachfolge, seine persönlichen Ratschläge und einem doch eher Tabuthema zu sprechen: der Ausstieg aus dem Familienunternehmen.

Der Weg in das Familienunternehmen

Clemens selbst bezeichnet seinen persönlichen Weg ins Familienunternehmen als “opportunistischen Einstieg”. Parallel zu seinem dualen Studium in Hamburg mit Schwerpunkt Logistik fingen erste Gespräche über die Zukunft des Familienunternehmens an. Bisher hatten Clemens und sein Bruder, der zu diesem Zeitpunkt sein Diplom beendet hat, wenige Berührungspunkte und wurden nicht wie andere Next Gens bereits früh an das Unternehmen herangeführt. 2010 entschieden sich die Brüder operativ in das Unternehmen einzusteigen und damit eine Art Testphase einzuläuten: Wie passen die beiden und das Familienunternehmen zueinander? Nach knapp einem Jahr hat Clemens beschlossen, dass er sich gerne noch intensiver mit seiner Rollenfindung beschäftigen möchte und hat den Executive Master in Family Entrepreneurship an der Zeppelin Universität gemacht. Damit hatten beide Brüder einen klaren betriebswirtschaftlichen und keinen technischen Hintergrund. Clemens verantwortete von nun an die Reederei und sein Bruder die zugehörige Werft. Nach drei Jahren in der operativen Tätigkeit, stand die Rolle in der Geschäftsführung als nächstes an.

Familienunternehmen – Entscheidung fürs Leben?

Wenn wir uns bei Haus Next mit der Frage der Rollenfindung beschäftigen – speziell im Kontext Familienunternehmen – beleuchten wir in den meisten Fällen das Thema Einstieg. Allerdings ist das nur die eine Seite der Medaille: ein Ausstieg ist ebenso denkbar und passiert, wie man an diesem Beispiel gut sieht, auch in der Realität.

Im Fall von Clemens und seinem Bruder war der Nachfolgeprozess alles andere als strukturiert. Erst in seinem Masterstudium wurde er für zentrale Fragestellungen der Nachfolge sensibilisiert und konnte die Bedeutung von Struktur und Rollen in der eigenen Familie adressieren. Ein hoch emotionales Thema, bei dem verschiedene Charaktere und Meinungen in der Familie aufeinander treffen. Besonders deutlich wurde, dass es keine klare Grenze zwischen Unternehmen und Familie gab und die Konflikte omnipräsent in einigen auch alltäglichen Situationen waren – auch beim Weihnachtsessen. Hinzu kommt eine Beobachtung, die so in vielen Nachfolgeprozessen eine Rolle spielt: die erste Generation, die das Unternehmen unter anderem aus dem Motiv der Unabhängigkeit gegründet hat, muss sich plötzlich mit anderen abstimmen.

Was kannst du als Next Gen daraus lernen?

Clemens betont, dass ihm vor allem Feedback geholfen hat – sei es durch Freunde oder Experten, die auch qualitativ weiterhelfen können und zu denen man ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauen kann. In formal moderierten Nachfolgegesprächen seien die Probleme selten ans Tageslicht gekommen. Vielmehr war die Omnipräsenz der unternehmerischen Aktivitäten in allen Lebensbereichen problematisch. Eine gewisse Rollentrennung und Resilienz ist hier enorm wichtig ist. Eine Trennung von Unternehmen und Familie ist in manchen Lebensbereichen deshalb vielleicht sinnvoll. Die Muster der Herausforderungen sind in vielen Unternehmerfamilien ähnlich. Eine wichtige Erkenntnis, die alle mit auf ihren Weg nehmen können ist, dass die Erstinterpretation einer Aussage nicht immer dem gleicht, was von deinem Gegenüber gemeint war. Dialogbereitschaft ist hier das Stichwort.

DOs und DON´Ts für den Nachfolgeprozess und die Rollenfindung

Clemens fasst seine persönlichen Lektionen auf der eigenen Erfahrung so zusammen: Als Next Gen sollte man sich intensiv mit der Rolle und einem strukturierten Prozess auseinandersetzen und lieber einen Tag zu früh einsteigen, als zu spät. Er betont besonders, externe Hilfe in Betracht zu ziehen. “Zu glauben, man könne alles selbst hinbekommen, kostet Kraft und trägt Zerstörungspotenzial in sich.” In einer moderierenden Rolle solle man sich selbst nicht verlieren und den Status Quo auch immer wieder analysieren. Zentral war folgender Tipp: “Mehr reden ist besser als weniger.” Kommunikation ist der Schlüssel in einer erfolgreichen Rollenfindung innerhalb der Unternehmerfamilie. Man sollte sich vor Augen führen, dass man Probleme besser anspricht, als es zu unterlassen – immerhin wird innerhalb der Familie mehr verziehen als anderswo.

Das Familienunternehmen muss nicht lebenslänglich sein, die Familie schon

Wir danken Clemens für seine Offenheit über die eigene Rollenfindung. Wir konnten viel für unsere eigene Situation mitnehmen und besonders eine Sache blieb uns nachdrücklich im Kopf: Das Familienunternehmen ist nicht zwangsläufig eine lebenslange Entscheidung, das Wohlbefinden in der eigenen Familie schon. Genau deshalb sollte es besonders geschützt werden.

Zum Abschluss noch zwei Punkte, die Clemens anderen Next Gens mit auf den Weg geben möchte:

  1. Be curious, not judgmental. – Walt Whitman
  2. Wenn man in Organisationen früh in Führungspositionen angesiedelt wird, sollte man nie vergessen, dass man – egal wen man trifft – von jedem etwas lernen kann.
Geschrieben von Robert Schacherbauer, Autor bei Haus Next Insights

Das könnte dich auch interessieren.