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Modern Family I – Netflix and Learn Vol. 3

Worum geht’s?

Modern Family, eine der beliebtesten Sitcoms auf Netflix, lässt uns mit viel Humor am alltäglichen Chaos einer großen Patchwork-Familie teilnehmen. In Modern Family überwinden die Protagonisten/innen nicht nur die Hürden des Alltags, sondern sie werden auch immer wieder mit ihren eigenen und den Problemen innerhalb der Familie konfrontiert, die sie herrlich menschlich meistern. Selten schafft es eine Serie Ihre Charaktere so pointiert darzustellen. 

In der Patchwork-Familie gibt es aber eben nicht nur die Familie, sondern auch ein Unternehmen sitzt abends mit am Tisch. In den mittlerweile schon Zehn in Deutschland veröffentlichten Staffeln kommt es daher neben üblichen Familienkonflikten auch immer wieder mal zu kleinen oder größeren Problem im Unternehmen. Das Familienunternehmen, „Pritchett’s Closets & Blinds“, wurde von Jay Pritchett, dem Vater von Claire und Mitchell, gegründet. Jay’s Kinder erinnern sich in der Serie immer wieder an einen Vater, der Tag und Nacht arbeitete um sich Stück für Stück seinen ‚American Dream‘ zu erfüllen. Stichwort “seinen” Traum ist hier Programm. Ab der 5. Staffel steigt dann mit Claire, die 20 Jahre Mutter und Hausfrau war, die Next Gen mit ins Familienunternehmen ein. Konflikte vorprogrammiert?

Der Nachfolgeprozess lässt sich im Verlauf der Serie nachvollziehen, mit all seinen Highlights und Schwierigkeiten:

Die unterschiedlichen Erwartungen, Herangehensweisen und Vorstellungen der alten und neuen Generation bergen einiges an Konfliktpotential – doch finden Claire und Jay immer Wege, ihre Konflikte zu lösen und davon können wir einiges lernen: Wie Jay als Patriarch der Familie und des Unternehmens mit sowohl seinen Mitarbeitern als auch den Familienmitgliedern umgeht, über die generelle Kommunikation, den Nachfolgeprozess, den Stellenwert des Familienunternehmens, das Hineinwachsen in die Rolle als Nachfolger und Nachfolgerin, über Next Gens, die nicht in das Familienunternehmen einsteigen wollen, sowie Innovationen und Umbrüche im Familienunternehmen. Außerdem sehen wir auch immer wieder etwas über Jays Kampf mit seinem alten Rivalen und größtem Konkurrenten in der Kleiderschrank Branche. 

In Staffel 5, Folge 1, „Erste Tage“, fängt nicht nur die Schule nach den Sommerferien wieder an, es ist unter anderem der erste Tag für Lilly in der Grundschule und für Luke und Manny in der High School, aber auch Claire hat ihren ersten Tag in ihrem neuen Job.

Nach 20 Jahren „Auszeit“, versucht sich Claire wieder im Arbeitsleben zurechtzufinden. Dabei ist es nicht nur besonders schwer für Claire im Unternehmen nicht nur „als die Tochter des Chefs“ wahrgenommen zu werden, sondern vor allem auch in ihrer eigenen Familie ernst genommen zu werden. Ihre eigene Tochter Haley vergleicht den neuen Job ihrer Mutter beispielsweise damit, dass sie selbst mal ihrem Vater im Sommer ein bisschen bei der Arbeit half: „Dad wollte nur mein Selbstwertgefühl aufbauen, er hat mich gar nicht gebraucht“, das sei also kein richtiger Job, den Claire bei ihrem Vater angenommen hat. 

Lernen wir nun also von Claire’s Fehlern am ersten, offiziellen Tag im Büro ihres Vaters:

Beim Versuch von ihren neuen Kolleginnen und Kollegen gemocht zu werden, bringt sie selbstgebackene Kekse mit und sagt allen ganz nett „Hallo“ im Büro, ist aber furchtbar nervös und fühlt sich ein wenig fehl am Platz. Genau das spüren die Mitarbeiter/innen, sie wird gleich als “Pritchett’s Tochter” abgestempelt. Jay erklärt seiner Tochter im Namen der guten alten Schule der klaren Hierarchien, dass es eher darauf ankomme respektiert zu werden, nicht gemocht. Durch ihre Keks-Aktion wirkte Claire zu bemüht. Der wohlgemeinte Rat ihres Vaters stößt bei Claire jedoch auf taube Ohren, sie fühlt sich neben ihrem Vater in die Rolle des Teenagers zurückversetzt – selbst wenn etwas am Rat ihres Vaters dran wäre, sie will nicht hinhören. Dabei hilft es nicht, wenn ihr Vater sie auch noch daran erinnert, dass er jetzt ihr Vorgesetzter ist.

Leider ist das oft so, dass es für die Next Gens nicht nur schwierig ist, einen geeigneten Bereich im Familienunternehmen zu finden, sondern auch herauszufinden, was die eigene Rolle im Netz von Familienbeziehungen und  Erwartungen, den eigenen Erwartungen und denen der Mitarbeiter/innen ist und diesen auch gerecht zu werden. Die eigene Rolle schließt dabei immer mehrere Aspekte mit ein:

Was ist meine Rolle als Teil des Familienunternehmens? Wie finde ich heraus, welcher Bereich und welche Tätigkeiten mir Spaß machen und liegen? Und ganz nebenbei, wie kann ich in meiner neuen Rolle, in der ich mir ja meistens selbst noch nicht so sicher bin, nicht nur in meiner eigenen Familie ernst genommen werden, sondern eben auch von den Mitarbeiter/innen?

Die Problematik mit der eigenen Familie zusammen zu arbeiten ist besonders stark, wenn man seine eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten gerade erst kennenlernt, das geht Claire auch so, nachdem sie nach 20 Jahren als Hausfrau und Mutter zurück ins Berufsleben möchte. Claire wird  in dieser Folge mit mehreren Rollenkonzepten konfrontiert, die kollidieren: 1. Wer ist Claire, wenn nicht Hausfrau und Mutter? 2. Wie kann sie professionell mit dem eigenen Vater zusammenarbeiten, besonders wenn sie sich in seiner Gegenwart wieder wie ein Teenager fühlt, oder er sie so behandelt? 3. Wie kann sie in ihrer eigenen Familie, neben ihrem Vater, auch von Mann und Kindern, in der neuen Rolle angesehen werden? 4. Wie schafft sie es, über das Image von „der Tochter des Chefs“ hinauszuwachsen? 5. Wie kann sie gemocht, aber auch respektiert werden? Neben diesen Herausforderungen, sich in die neue Rolle einzufinden,  hat Claire aber auch noch den unterbewussten Wunsch ihrem Vater zu zeigen, dass sie es verdient im Unternehmen zu sein und ihn stolz zu machen, aber eben in ihrer eigenen Art und Weise der Führung. 

Dabei kreiert Claire eine kleine technische Katastrophe an ihrem ersten Tag, als sie herausfindet, dass der einzige nette Mitarbeiter, der sich mit ihr zum Mittagessen trifft, leider auch der ist, der am selbigen Tag von ihrem Vater gefeuert werden soll. Sie gibt ihm aus Mitleid einen kleinen Hinweis, daraufhin dreht der durch und legt das ganze IT System des Unternehmens lahm. Dieses Schlamassel zeigt Claire, dass ihr Vater durchaus wertvolle Führungserfahrung hat und es sich lohnt, auf die alte Generation zu schauen und Ratschläge anzunehmen. Gleichzeitig lernt Jay, dass auch die nachfolgende Generation ihre berechtigten Einwände hat – Claire bringt neue Perspektiven mit ins Unternehmen. Sie zeigt Jay einen neuen Umgang mit den Mitarbeiter/innen. Am Ende waren die Kekse nämlich doch lecker und eine sensible Handhabung des IT‘lers, eben einer Mischung aus Jays Expertise und Claires Mitgefühl und Führungsstil auf Augenhöhe, hätten allen viel Drama erspart. 

Schaut doch mal in Modern Family rein und lernt von den Pritchett’s und Dunphy’s – denn, Fehler machen wir alle, ob Privat oder im Beruf, aber mit ihnen Umzugehen und aus ihnen zu lernen ist die Kunst.

Geschrieben von Maya Bernhard, Autorin bei Haus Next Insights

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