Haus Next

5 Fragen an Dr. Tobias Hummel

5 Fragen – 5 Antworten. Wir sprechen mit Next Gens aus Unternehmerfamilien über die eigene Rolle und Tipps für die Rollenfindung.

Nach drei Jahren Los Angeles und einem Bachelor of Science in “Mechanical Engeneering” an der California State University ging es zurück nach Deutschland an die TU München, um den Master in „Energy and Process Engineering“ zu machen und einen Doktor in „Mechanical Engineering, Energy Technology and Thermodynamics“. Next Gen Tobias Hummel stieg 2018 schließlich in das Familienunternehmen Albert & Hummel GmbH ein – der Grundstein zur Übergabe wurde gelegt. 

Die Albert & Hummel GmbH wurde 1992 von Manfred Albert und Detlef Hummel gegründet. Der Betrieb stellt Sondermaschinen, Automationen und Steuerungstechniken her und begleitet die Kunden dabei von der Konzeptentwicklung über die Inbetriebnahme bis hin zum Aftersale Service. 2017 feierte A&H sein 25-jähriges Jubiläum. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen 80 Mitarbeiter.

Mit seinem Einstieg setzte sich Tobias Hummel vor allem für die Forschung und Entwicklung ein. Interne Prozesse wurden seitdem zunehmend digitalisiert, neue Themenfelder erschlossen und eine eigene F&E Abteilung aufgebaut. 

Was treibt Next Gens an, warum haben sie das Familienunternehmen übernommen, welchen Herausforderungen stehen sie gegenüber und, allem voran, welche Tipps können sie an andere Next Gens weitergeben? Unsere Haus Next Autorin Viviane Rückner hat Tobias Hummel für euch interviewt und er hat für uns aus dem Nähkästchen geplaudert. Lest selbst!

1. Wann war es für dich klar, dass Du in das Familienunternehmen einsteigen möchtest?

Während meines Studiums und der anschließenden Promotion hat sich das starke Bedürfnis entwickelt, in meinem Leben einen relevanten Beitrag zu leisten und dem mir, leistungsfrei bereitgestellten, privilegierten Lebensumständen entsprechend gerecht zu werden. Gepaart mit meiner Ingenieursleidenschaft hat sich aus der anfangs eher philosophischen Gedankensortierung die Zielsetzung gebildet – zusammen mit meinem Promotionskollegen –  ein Unternehmen im Bereich Clean-Tech aufzubauen. Schnell hat sich gezeigt, dass das Clean-Tech Unterfangen mit den Kompetenzbereichen des Familienunternehmens synergetisch korreliert und aus dieser Konstellation eine einzigartige Chance entstehen kann. Somit ist die Fortführung ein integrierter Bestandteil der übergeordneten unternehmerischen Entwicklungsziele.

2. Was nimmst Du als größte Herausforderung wahr? 

Ich denke es gibt hier nicht die eine konkrete Herausforderung. Ein Bereich ist sicherlich die Verknüpfung des operativen Tagesgeschäfts mit der strategischen Neuausrichtung sowie – in meinem Fall – der aktiven F&E Arbeit mit technischer Produktentwicklung. Darüber hinaus birgt die angestoßene Weiterentwicklung und Digitalisierung Herausforderungen. Zum Beispiel verursacht durch Auffassungsunterschiede zwischen den verschiedenen Generationen – sowohl in der Firmenführung als auch in der Mitarbeiterschaft. Vor allem das Vertrauen der Mitarbeiter zu gewinnen und diese dann zentral in die Transformationsprozesse einzubinden ist hier entscheidend.

3. Welche Vision schwebt Dir für Dein Familienunternehmen und den Nachfolgeprozess vor? Hast Du konkrete Ziele?

Die Ziele für das Familienunternehmen sind klar definiert. Wir lösen uns vom Geschäfts- und Tätigkeitsmodell des klassischen Sondermaschinenbauers und transformieren uns zu einem digitalen Maschinenbauunternehmen für Produktionsautomatisierungen. Zudem etablieren wir eine explizite Clean-Tech Spezialisierungsrichtung in unserem Kompetenzspektrum. Wir entwickeln hierfür Maschinen für eine automatisierte Produktion, Assemblierung und Testung für Brennstoffzellen-, Batterie- und Elektrolysesysteme. Neben wirtschaftlichen Zielen wie kontinuierliche Weiterentwicklung von Umsatz und Ertrag nehmen wir auch Sinnziele in unser Unternehmensleitbild mit auf, d.h. mit unseren Produkten und Tätigkeiten Beträge zu gesellschaftsrelevanten Aufgaben zu leisten (z.B. Erhalt Wettbewerbsfähigkeit unserer Region, Schaffung von nachhaltigen Arbeitsplätzen, Stoppen des Klimawandels). Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen eine größere Mission und Sinnhaftigkeit in ihrer Tätigkeit sehen, was unserer Meinung nach essentiell für die Arbeitgeberattraktivität ist, um z.B. die „High-Potentials“ der Gen-Z anzuziehen.

4. Hast Du einen Rat für andere Next Gens?

Subjektiv betrachtet bin ich der Meinung, dass es ein großes Privileg und eine Chance ist, ein Familienunternehmen mitgestalten und fortführen zu dürfen. Dennoch sollte man sich nur dann involvieren, wenn man dazu eine intrinsische Motivation verspürt. Denn diese Motivation liefert am Ende die nötige Energie, um der Verantwortung und auch der Arbeitslast gerecht zu werden. Somit würde ich sagen: Dem Bauchgefühl folgen und es auf keinen Fall aus extrinsischen Gründen wie Pflichtgefühl, Erwartungen anderer oder auch des Geldes wegen machen. Für letzteres ist die Verantwortung gegenüber der Firma, der Mitarbeiterschaft, der Familie, allen weiteren Beteiligten und vor allem sich selbst zu groß. Zudem beherzige und rate ich, wo immer es möglich ist: transparente, regelmäßige und ehrliche Kommunikation! Aber das ist nur meine persönliche Sichtweise, die auch aus den bisherigen Erfahrung rührt. 

5. Wenn du Next Gens eine Weisheit für Ihre Rollenfindung mitgeben könntest, welche wäre das?

Meiner Sichtweise nach ist es wichtig, die persönliche Rolle sowie die eigenen Zukunftsvorstellungen und -ziele bereits vor dem Eintritt in das Unternehmen zu identifizieren. In das Unternehmen einzusteigen und dieses tiefgehend kennenzulernen, liefert nochmals einen sehr intensiven Lernschub und klare Vorstellungen, wie man sich in dem Unternehmen positionieren kann. Sobald man im Unternehmen eingestiegen ist, ist es meiner Meinung nach wichtig sich regelmäßig selbst kritisch zu reflektieren und die eigene Wirkweise ständig weiterzuentwickeln – das ist sicherlich ein lebenslanger und definitiv ein schöner Lernprozess.

Das könnte dich auch interessieren.