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Psychology Insights – Entscheidungen

Willkommen zu unserer Miniserie „Psychology Insights: Entscheidungen“. Wir geben Euch einen kompakten und spannenden Überblick aus der Entscheidungspsychologie und Forschung, sowie die ein oder anderen Praxisbezüge, warum man abends zum Beispiel keine wichtigen Entscheidungen mehr treffen sollte.

Next Gens lernen als Mitglied einer Unternehmerfamilie von klein auf über die Bedeutung und Verantwortung Entscheidungen zu treffen. Viele Entscheidungen warten täglich auf Familienunternehmer/Innen – manch große Entscheidung kann gar den ganzen Kurs des Familienunternehmens ändern und weitreichende Folgen für Mitarbeiter/Innen und die eigene Familie mit sich bringen. 

Viele Next Gens stehen immer wieder vor großen Entscheidungen die mit dem Familienunternehmen in Zusammenhang stehen. Einige sind mit Unsicherheit und Risiko verknüpft. Zum Beispiel die Wahl der Weiterbildung nach der Schule, die Zukunftsplanung und Nachfolgeregelung für das Familienunternehmen und viele viele mehr. Es sind besonders diejenigen, die Verantwortung tragen, oder tragen möchten, die überdurchschnittlich viele Entscheidungen treffen müssen. Aber neben all diesen wichtigen, gut durchdachten und bewussten Entscheidungen, vergessen wir manchmal, wie viele Entscheidungen wir täglich unbewusst, ja ganz automatisch, treffen.

Tatsächlich treffen wir täglich hunderte Entscheidungen, viele davon sind so klein, wir merken es gar nicht.

Sie sind ganz automatisch, intuitiv und laufen im Hintergrund ab. Manche Entscheidungen aber, wie beispielsweise die Nachfolgefrage, sollten bewusst und aktiv getroffen werden. In dieser Miniserie geht es rund um das Thema „Entscheidungen“: Was beeinflusst unser Urteilen und Entscheidungsvermögen, wie Entscheiden wir unter Unsicherheit und Risiko, welche psychologischen Ansätze und theoretischen Schulen gibt es? Und was für spannende Erkenntnisse können wir als Next Gen aus der Forschung der Entscheidungspsychologie mit in die Praxis nehmen? 

In diesem ersten Teil unserer Miniserie – Psychology Insights: ‚Entscheidungen‘, verschaffen wir uns nun einen praktischen Überblick über die verschiedenen Arten von Entscheidungen und die drei großen Entscheidungstheorien und – Philosophien und deren Vertreter.  

Die Disziplin der Psychologie der Entscheidungen ist noch relativ jung und sehr interdisziplinär. Sie untersucht die kognitiven Prozesse, die das Urteilen und Entscheiden von Menschen beeinflussen. 

Entscheidungen lassen sich in vier Arten von Entscheidungen einteilen: 

  1. Entscheidungen unter Sicherheit (jede Aktion hat eine bestimmte und bekannte Folge), Unsicherheit (Folgen sind weiterhin bekannt, aber nicht unbedingt alle Wahrscheinlichkeiten) oder Risiko (alle Wahrscheinlichkeiten aller möglicher Folgen sind bekannt). 
  2. Individuelle versus Kollektive Entscheidungen. 
  3. Statische versus Intertemporale Entscheidungen (Entscheidungen zwischen Folgen finden in unterschiedlichen zeitlichen Instanzen statt). 
  4. Entscheidungen in einer Umwelt strategischer Interaktion (wenn das Treffen der finalen Entscheidung von anderen abhängt)

Die Entscheidungspsychologie befasst sich laut Fischhoff & Broomell (2020) mit drei in gegenseitiger Beziehung stehender Formen von Forschung: Die Analyse der Entscheidungen denen Menschen gegenüberstehen, die Beschreibung ihrer natürlichen Reaktionen und den Interventionen, die zum besseren Entscheiden verhelfen sollen.  

Dabei teilt sich die Entscheidungspsychologie in drei theoretische Schulen:

  • Die normative Entscheidungstheorie analysiert wie Menschen ideale Entscheidungen treffen sollten, basierend auf Logik und Verstand. Das Modell vom Homo Oeconomicus mit seiner rationalen Entscheidungstheorie des zu erwartenden Nutzen (Expected Utility Theory) gehört hier her. 

Normativ fragen wir: Wie und unter welchen Standards sollten wir unser Denken, Urteilen und Entscheiden beurteilen? 

  • Die deskriptive Entscheidungstheorie beschreibt wie und warum Menschen tatsächlich Entscheidungen treffen und was sie wirklich tun. Die Prospekt-Theorie (Prospect Theory), auch neue Erwartungstheorie genannt, lässt sich hier zuordnen. Die Prospekt-Theorie gilt als Wegbereiter der Verhaltensökonomie, da sie sich an „echten“ Menschen und keinem vollkommen rationalen, Kosten-Nutzen-Homo Oeconomicus orientiert. 

Deskriptiv fragen wir: Wie denken, urteilen und treffen wir Entscheidungen? Was hindert uns daran bessere Entscheidungen zu treffen, an normativen Standards gemessen, als wir tatsächlich tun?

  • Die präskriptive Entscheidungstheorie analysiert wie „echte“ Menschen Entscheidungen treffen sollten und können. Hier lässt sich Wertbezogenes Denken (Value-Focused Thinking) einordnen. 

Präskriptiv fragen wir: Was können wir tun um unser Denken, Urteilen und Entscheiden als Individuum und Gesellschaft zu verbessern?

Justin Fox fasst in seinem Paper „From ‚Economic Man‘ to ‚Behavioral Economics’ (2015), diese Entscheidungstheorien als Entscheidungsphilosophien zusammen: 1. Decision Analysis, 2. Heuristics and Biases, 3. Going with your Gut. Dabei ordnet Fox nicht nur die theoretischen Schulen und wichtigsten Vertreter diesen drei Philosophien zu, sondern macht so die verschiedenen Ansätze mit ihren Stärken, Schwächen und Anwendungsgebieten leicht vergleichbar – und für uns Praxisrelevant. Verstehen wir nun die verschiedenen theoretischen Ansätze, kann uns das helfen unsere Entscheidungen hier einzuordnen, um uns beim Entscheiden zu helfen. Hier eine kleine Zusammenfassung, mit den wichtigsten Facts zu jeder der drei Entscheidungsphilosophien nach Justin Fox (2015)

Bekannteste Vertreter: Neumann & Morgenstern, Bayes & Harry Markowitz, Howard & Raiffa

Perspektive: Entscheidungen sollten systematisch sein, auch in Angesicht von Unsicherheit. Wahrscheinlichkeitsberechnungen und Statistik bilden das Fundament für das Treffen von Entscheidungen. 

+ konsistent, rational, lehrbar     – nicht immer sinnvoll bei Mangel an Zeit, Daten und kognitiver Fähigkeiten

Wann sollte man diese Entscheidungsphilosophie zu Rate ziehen?: Bei großen Entscheidungen mit langzweit Investments, wie in Öl, Gas, und Pharma, oder ob man studieren möchte oder nicht,  in Verhandlungen und Gruppenentscheidungen.

Bekannteste Vertreter: Kahneman & Tversky, Thaler, Bazerman & Moore

Perspektive: Bei Entscheidungen unter Unsicherheit greifen wir auf Faustregeln, sogenannte Heuristiken zurück, welche manchmal zu sinnvollen Entscheidungen, aber auch zu größeren Fehlentscheidungen (Biases) führen können.

basieren auf tatsächlich beobachtetem menschlichen Verhalten  

– es ist nicht immer klar, wie anzuwenden

Wann sollte man diese Entscheidungsphilosophie zu Rate ziehen?: Um bessere Institutionen zu gestalten, als Warnung vor dummen Fehlern (systematischen Biases – diese werden übrigens bei Nudges verwendet), und um die Prioritäten Anderer zu verstehen.

Bekannteste Vertreter: Gigerenzer, Klein, Goldstein

Perspektive: Die Heuristiken die wir beim Entscheiden verwenden sind meistens sehr effektiv.

simpel, ohne extra Informationen    –  Es kann schwierig sein, vorauszusagen ob eine Heuristik funktionieren wird

Wann sollte man diese Entscheidungsphilosophie zu Rate ziehen?: In vorhersehbaren Situationen mit Möglichkeiten zum Lernen und Weiterbilden wie z.B. beim Sport oder der Feuerwehr. Aber auch in Situationen der Unsicherheit (Ökologische Rationalität), wenn man sich nicht unbedingt auf Daten verlassen kann. 

In den Wirtschaftswissenschaften begegnen uns beispielsweise immer wieder Modelle, die auf dem Verständnis eines vollkommen rationalen Homo Oeconomicus und der Philosophie der ‚Decision Analysis‘ oder ‚Normativen Entscheidungspsychologie‘ aufbauen.

Viele dieser Modelle funktionieren, wenn wir Statistiken nutzen oder Wahrscheinlichkeiten berechnen, in einem beschränkten Rahmen. Das wirft immer wieder die Frage auf, wieso der Mensch so vereinfacht rational, mit einer reinen Kosten-Nutzen-Analyse in der Wirtschaft dargestellt wird. Die Wirklichkeit, zeigt ja, der Mensch trifft meistens ganz anders, manchmal gar irrational Entscheidungen – das beweisen die Begründer der ‚Prospect Theory‘, Kahneman und Tversky (1979). Durch die Nutzung von Heuristiken, das sind kleine mentale Short Cuts oder Faustregeln, kommt es oft zu Fehlern, den sogenannten ‚Biases‘. Die Entscheidungsphilosophie der ‚Heuristics and Biases‘ warnt uns vor unserem eigenen Denken und unserem automatischen, intuitiven Treffen von Entscheidungen. Dann gibt es aber gleichzeitig noch eine weitere, interessante Bewegung, welche Fox mit ‚Going with your Gut‘ bezeichnet. Zwei wichtige Vertreter, Gigerenzer und Klein, zeigen in ihren Studien, dass Heuristiken und Intuition gar nicht unbedingt mit diesen systematischen Fehlern, ‚Biases‘, zusammenhängen, sondern oftmals besser sind als jede mathematische Berechnung. Innerhalb dieser drei Entscheidungsphilosophien beschreibt Fox (2015) einen Wandel vom ‚Economic Man‘, hin zur Verhaltensökonomie. Trotz des Wandels, bestehen alle drei Philosophien nebeneinander fort, ergänzen sich und bekriegen sich.

Warum wir zu vorschnellen Fehlentscheidungen neigen, einfach nur, weil eine Erinnerung schnell verfügbar ist und vieles mehr über unser Urteilen und Entscheidungsvermögen aus Psychologie und Forschung in der nächsten Folge unserer Miniserie Psychology Insights: Entscheidungen. 

Geschrieben von Maya Bernhard, Autorin bei Haus Next Insights

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