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Psychology Insights – Moral Courage

Willkommen zu unserer Miniserie „Psychology Insights“, in der wir euch spannende psychologische Einblicke rund um das Thema Leadership und Management geben.

Nach zwei Tagen eskalierte das Experiment. Die Gefangenen protestierten – blockierten die Zellentüren, rissen ihre Nummern von ihren Kitteln und weigerten sich den Anweisungen des Wachpersonals zu folgen. Die Männer in Uniform erstickten den Aufstand mit Gewalt, sprühten unter anderem mit Feuerlöschern in die Zellen und drangsalierten die Häftlinge in der folgenden Zeit auf sadistische Weise. Am sechsten Tag musste das Experiment, im August 1971, abgebrochen werden. Philip Zimbardos Stanford-Gefängnis-Experiment ist weltweit bekannt. Damals wurden 18 Probanden zufällig in „Wärter“ und „Gefangene“ aufgeteilt. Im „Gefängnis“ – im Keller der Universität – bekamen die Gefangenen Nummern, Gefängniskleidung und Fußketten, Wärter erhielten Uniformen, Sonnenbrillen und Gummiknüppel. Die Eskalation des Experiments wurde der Situation und den Umständen zugeschrieben: das Machtgefälle und nicht etwa innere, grundsätzliche Boshaftigkeit bewegte die Wärter der Experimentauswertung zufolge zu derart grausamen Verhalten. Dabei wurde von den Wärtern moralisches Handeln erwartet.

Die Studie zeigt wie wichtig moralischer Mut vor allem bei Personen in Führungspositionen ist. Charakterstärke ist dabei die Fähigkeit, sich an inneren Prinzipien zu orientieren, um das zu tun, was für andere gut ist, unabhängig von der Bedrohung des Selbst. Und gerade Führungskräfte sehen sich herausfordernden Situationen, Konflikten und Leistungsdruck gegenübergestellt – Aufgaben die Charakterstärke erfordern. Vor allem Next Gens, die frisch ins Familienunternehmen eingestiegen sind, sehen sich mit solchen Situationen meist ohne Vorerfahrung konfrontiert und müssen mit ihren Entscheidungen guten Führungsstil beweisen. Ein guter Führungsstil hat Vorbildcharakter und schafft ein gutes Arbeitsklima. Denn wie Leslie E. Sekerka, Richard P. Bagozzi und Richard Charnigo in ihrer Studie 2009 herausfanden, können Managementnormen, wenn sie moralische Entscheidungen und Maßnahmen als praktisches Ideal ansehen, auch das Verhalten und die Reaktion anderer Mitarbeiter in Bezug auf ethische Herausforderungen am Arbeitsplatz beeinflussen.

Welche Faktoren können dabei zur Charakterstärke beitragen? Wie können Next Gens an ihrer Charakterstärke arbeiten?

Leslie E. Sekerka und Richard P. Bagozzi haben in ihrem Paper 2007 Faktoren herausgearbeitet, die zu moralischem Handeln, zur Charakterstärke und Zivilcourage beitragen. Charakterstärke und entsprechende Handlungen werden vor allem in ethisch herausfordernden Situationen verlangt und erfordern oft Selbstregulierung, gerade wenn moralische Handlungen die Bedrohungen des Selbst oder hohe Kosten bedeutet. 

Um Charakterstärke auszubauen, muss moralisch richtiges Handeln und moralische Stärke auch im Alltag angewandt werden, denn Selbstregulierung, die ein wesentlicher Bestandteil von Charakterstärke ist, kann wie ein Muskel trainiert werden.

Ein wichtiger Part sich auf seine zukünftigen Aufgaben als Next Gen vorzubereiten, ist also auch im Alltag nach seinen Normen und Werten zu handeln und vor allem auch in herausfordernden Situationen moralischen Mut zu beweisen – das alltägliche Leben bietet den idealen Übungsplatz bei der Vorbereitung auf die bevorstehende Führungsposition im Familienunternehmen!

Geschrieben von Viviane Rückner, Autorin bei Haus Next Insights

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