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Next Gen Unplugged – Projekt 2024

Wie finde ich heraus, ob ich grundsätzlich ins Familienunternehmen einsteigen möchte? Wie gehe ich mit der Verantwortung und dem Druck um? Kann ich die Fußstapfen, in die ich treten muss, ausfüllen und wenn ja, wie? Wie spreche ich als künftiger Chef die Mitarbeiter an: mit „Du“ oder „Sie“? Alles Fragen mit denen sich fast jede/r Next Gen konfrontiert sieht.

 

Das „Projekt 2024“ befasst sich genau mit diesen Fragen. Es ist ein weltweit einzigartiges Langzeitprojekt und begleitet Next Gens wissenschaftlich und persönlich in der Rollenfindung in der Unternehmerfamilie. Das Projekt wurde 2014 wurde vom Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen in Zusammenarbeit mit der EQUA-Stiftung ins Leben gerufen. 

Wieso ist dies besonders aus wissenschaftlicher Perspektive interessant? Es die einzige Langzeitstudie zur nächsten Generation in Unternehmerfamilien weltweit. Seit 2014 nehmen Next Gens einmal im Jahr an der Panel-Studie teil und tragen damit zu wertvollen wissenschaftlichen Erkenntnissen bei. In diesem Artikel wollen wir euch einen ersten Einblick in die Ergebnisse der Studie geben, bei der 137 Next Gens befragt wurden:

Welche Werte sind den Next Gens im Leben besonders wichtig, welche weniger?

Selbsterfüllung, das Gefühl etwas im Leben erreicht zu haben, aber auch Spaß und Genuss sind den Befragten besonders wichtige Werte. Sicherheit wird dagegen weniger von ihnen angestrebt. Mit 14% stehen die Befragten mit ihrem Namen vor allem für Verlässlichkeit, gefolgt von Integrität und Loyalität mit jeweils 7%. Auf eine herzliche Beziehung mit anderen legen sie ausgesprochen viel Wert. 

Grundsätzlich sind die teilnehmenden Next Gens eher individualistisch als kollektivistisch eingestellt, diese Tendenz ist jedoch nicht stark ausgeprägt. In individualistischen Kulturen, wie beispielsweise in Deutschland oder den USA, steht das Individuum im Mittelpunkt und jeder wird ermutigt, seine eigenen Entscheidungen zu treffen und wird zur Autonomie erzogen. In kollektivistischen Kulturen, wie sie in Asien häufiger vorzufinden sind, stehen das Wohlergehen der Gemeinschaft, Gehorsam und Respekt im Mittelpunkt, individuelle Wünsche und Bedürfnisse werden dem untergeordnet, wie Dieter Fuchs und Edeltraud Roller in ihrem Buch “Individualismus und Kollektivismus” erklären.

Und wie sieht es nun mit dem Verhältnis zum Familienunternehmen aus?

Grundsätzlich besteht eine starke Identifikation, emotionale Bindung und ein ausgeprägtes Zugehörigkeitsgefühl. Damit einhergehend stehen die Next Gens dem Familienunternehmen auch positiv gegenüber: der Mittelwert liegt bei 4,08 (1=sehr negative Gefühle gegenüber dem Familienunternehmen; 5=sehr positive Gefühle). Dennoch ist eine große Unsicherheit bei der Einschätzung zu erkennen, ob man das Unternehmen tatsächlich selbstständig führen kann. Wie die Tendenz zu individualistischen Einstellungen bereits vermuten lässt, besteht eine mittlere bis hohe Überzeugung die Kontrolle zu haben. So ist die Mehrheit der Befragten davon überzeugt, dass es von dem eigenen Verhalten abhängt, ob Ziele erreicht werden oder nicht. Außerdem ist ein starker Wunsch nach Unabhängigkeit zu erkennen. Eine ausgeprägte Langzeitorientierung bei den Teilnehmern steht im Einklang mit dem Bewusstsein für Tradition und Nachhaltigkeit bei Familienunternehmen. Grundsätzlich besteht ein großes Interesse darin, das Familienunternehmen in 10 Jahren zu übernehmen und das aus eigenem Antrieb und Spaß an der Arbeit. Druck von den Eltern, die Nachfolge zu übernehmen, verspüren nur 22%. Insgesamt 54% geben an, dass die Eltern sich hinsichtlich der beruflichen Zukunft nur wünschen, dass ihre Kinder einen Beruf finden, der ihnen Spaß macht.  

Es besteht eine hohe gefühlte Verpflichtung das Familienunternehmen langfristig in Familienhand zu halten – wobei es hier eine große Bandbreite bei den Antworten gibt. Stolze 78% geben an, dass die eigenen Werte mit denen des Familienunternehmens übereinstimmen. Die eigene Rolle im Familienunternehmen beschäftigt die Teilnehmer sehr, die eigene Rolle innerhalb der Familie dagegen weniger. 

Was ist also die Quintessenz der Auswertung?

Die Befragung ergab, dass Next Gens langzeitorientiert und individualistisch geprägt sind. Sie identifizieren sich sehr stark mit dem Familienunternehmen und ihre Werte stimmen auch größtenteils mit den Werten des Unternehmens überein. 

Damit sind aber noch lange nicht alle Fragen geklärt:

Ist die individualistische Einstellung und der starke Wunsch nach Unabhängigkeit mit der langfristigen Orientierung im Familienunternehmen vereinbar? Angesichts der starken Übereinstimmung zwischen den eigenen Werten und den Werten des Familienunternehmens – wer prägt wen und wie? Wie und wofür stehen Next Gens und ihr Familienunternehmen? All diese Fragen wurden in den folgenden Studien, deren Ergebnisse wir in unseren nächsten Artikeln zeigen werden, näher analysiert. Also bleibt gespannt!

Geschrieben von Viviane Rückner, Autorin bei Haus Next Insights

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