Haus Next

Editorial

Es ist Ende 2019 als Dinah, Natalie und Reinhard sich entschließen, gemeinsam die Zukunft der Next Gens aus Unternehmerfamilien in einem Spin-off des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen | FIF mitzugestalten. In den folgenden Monaten wird in einer intensiven Bauphase an einem Start-up in Berlin gearbeitet und es entsteht: Haus Next. Ein digitales Haus, eine Plattform von Next Gens für Next Gens, auf welcher diese sich austauschen, informieren und weiterbilden können. Nun endlich am 15.12.2020 öffnet das Haus Next seine Türen. 

Warum gründen wir Haus Next?

Die Antwort auf diese Frage ist vielfältig – jedoch sind drei Gründe hervorstechend. 

Erstens kommen wir selbst aus Unternehmerfamilien. Wir wissen, was es bedeutet, in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen zu sein, welche Chance, aber auch welche Herausforderungen dies mit sich bringt. Wir hatten das Glück, mit dem Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen | FIF eine Austauschplattform zu haben, die uns bei den Herausforderungen unterstützt und die Chancen vor Augen geführt hat. Daher ist es uns ein Anliegen, möglichst vielen Next Gens die Möglichkeit zu geben, sich in einem geschützten und inspirierenden Raum vertrauensvoll auszutauschen, zu informieren und sich weiterbilden zu können. Und zwar nicht mit den althergebrachten Methoden, sondern mit zeitgemäßen und innovativen Konzepten. Wir wollen gemeinsam positive Erlebnisse in Bezug auf die Auseinandersetzung mit dem Aufwachsen in einer Unternehmerfamilie schaffen und damit verbundene Schwierigkeiten gemeinsam meistern. Next Gens können sich hier bewusst die Zeit nehmen, sich in Ruhe mit den möglichen Rollen in der Unternehmerfamilie auseinanderzusetzen. Dabei steht für uns der Mensch und die Persönlichkeit jeder und jedes Einzelnen und nicht das Unternehmen im Vordergrund. 

Warum das wichtig ist? 

Weil die Wichtigkeit von gemeinsamen Vorstellungen über mögliche Zukunftsszenarien in der Unternehmerfamilie oftmals unterschätzt wird. Wie sollen Next Gens denn wissen, welche Rolle sie künftig in der Unternehmerfamilie spielen (oder nicht spielen) möchten und können, wenn kein gemeinsames Bild darüber erarbeitet wurde, wie diese Zukunft denn in verschiedenen Szenarien aussehen könnte? 

Zweitestens sind wir in der Forschung zu Familienunternehmen verankert – mit einem besonderen Fokus in unserer Forschung auf die Perspektive der nächsten Generation. In den letzten Jahren hat dieser Forschungsstrang zur Sichtweise der nächsten Generation zunehmend an Dynamik gewonnen. Erkenntnisse zu verschiedenen Fragen und Themen rund um die Nachfolgevorbereitung, den Nachfolgeprozess, und die Konsequenzen der Nachfolge sind hier ebenso zu nennen wie die beginnende Forschung zu Entwicklungspfaden außerhalb der klassischen Karrierepfade im Familienunternehmen. Die Forschung ist meist englischsprachig und teilweise durch statistische Auswertungen komplex. Daher ist es uns ein Anliegen, diese Erkenntnisse für Next Gens prägnant und spannend aufbereitet zugänglich zu machen.

Drittens wollen wir unseren Beitrag zur Zukunft des familiengeführten Mittelstands leisten. Über 90 Prozent aller Unternehmen der deutschen Privatwirtschaft sind Familienunternehmen (Stiftung Familienunternehmen, 2019) . Zwischen 2018 und 2022 stehen ca. 150.000 Unternehmensübergaben an (Kay, Suprinovič, Schlömer-Laufen, & Rauch, 2018). Damit auch in Zukunft Deutschlands Familienunternehmen einen zentralen Stabilitäts- und gleichzeitig Innovationsgarant unserer Wirtschaft und Gesellschaft bilden, ist es wichtig, dass die nächste Generation zeitgemäße Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung ebenso vorfindet, wie einen vertrauensvollen und offenen Austausch mit anderen Next Gens, um den (nicht immer einfachen und oft nicht gradlinigen) Weg zur Klarheit über die zukünftigen Rollen in Familie und Unternehmen gemeinsam zu gehen. 

Zu guter Letzt: wir kommen alle drei aus Bau-Familien, da mussten wir einfach zusammen ein Haus bauen – auch wenn es zunächst erstmal „nur“ digital ist. Aber immerhin ist es unseres Wissens nach eines der ersten digitalen Häuser weltweit, mit Sicherheit das erste digitale Haus von und für Next Gens.  

Wie verstehen wir Unternehmerfamilie?

Lange Zeit hat sich in der Forschung und der Praxis alles um das Familienunternehmen gedreht. In den letzten Jahren ist hingegen zunehmend die unternehmerisch aktive Familie in den Fokus gerückt. Und das ist auch gut so. Denn dabei geht es nicht mehr nur um eine zentrale Firma, sondern um ein breites Portfolio an unternehmerischen Tätigkeiten durch die Familienmitglieder. Die Zukunft der Familie sichert nicht allein das eine Unternehmen, sondern das Talent der familieneigenen Unternehmerinnen und Unternehmer, sich durch innovative Ideen und über die Grenzen des (einen) Familienunternehmens hinaus zu behaupten.

Wie verstehen wir Next Gens?

Anstatt die Optionen auf Einstieg oder Ausstieg zu reduzieren, ermöglicht es das Konzept der unternehmerischen Familie, alternative Rollen und Mitgestaltungs-Modelle für die nächste Generation in Erwägung zu ziehen. Es gilt, sich vom oftmals einzig denkbaren Modell der Verantwortungsübernahme in Unternehmerfamilien, nämliche der operativen Führungs-Nachfolge zu lösen und dabei eine Brücke zwischen Familientradition und Verbundenheit mit dem Unternehmen auf der einen, und dem Wunsch nach Selbstverwirklichung auf der anderen Seite zu schlagen. Für die Familienmitglieder, insbesondere die Next Gens, ergeben sich daraus unterschiedliche Rollen und Gestaltungsmöglichkeiten, die sie zu unterschiedlichen Zeiten formal und informal, innerhalb und außerhalb des Unternehmens annehmen können. So bedeutet es nicht das Ende einer Unternehmerfamilie, wenn die nächste Generation (zunächst) nicht in das Familienunternehmen einsteigen möchte, sondern selber unternehmerisch aktiv wird und ein eigenes Unternehmen gründet. Daher sind für uns nicht nur diejenigen Next Gens, die bereits in das Unternehmen eingestiegen sind. Im Gegenteil: Haus Next richtet sich an alle Next Gens aus einer Unternehmerfamilie, denn auch wenn man vielleicht keine formale und aktive Rolle im Unternehmen hat, so prägen alle Familienmitglieder das Unternehmen und das Unternehmen prägt alle Familienmitglieder. Es ist keine Einbahnstraße.

Wir freuen uns, mit euch die Zukunft von Next Gens zu gestalten.

Eure Dinah, Natalie und Reinhard

 
Quellen
Kay, R., Suprinovič, O., Schlömer-Laufen, N., & Rauch, A. (2018). Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2018 bis 2022, Daten und Fakten (18). Bonn: IfM Bonn.
 

Stiftung Familienunternehmen (2019). Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen. München: Stiftung Familienunternehmen.

 

Das könnte dich auch interessieren.