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Muss ich? Kann ich? Will ich?

So finde ich meinen Weg

Willkommen bei Next Gen Unplugged! Willkommen bei unserem Format, das deine Wünsche, deine Sorgen und deine Fragen zum Thema „Nachfolge im Familienunternehmen“ behandelt, exklusive Einblicke liefert und hinter die Kulissen schaut.

Warum bist du auf dieser Seite gelandet? Vermutlich bist du Teil einer Unternehmerfamilie und als Next Gen verbindet Dich das mit vielen anderen: du siehst dich einzigartigen Chancen genauso wie großen Herausforderungen gegenüber. Genau deshalb hast du dir sicher schon häufig die Frage gestellt: „Muss ich? Kann ich? Will ich?“ In diesem Artikel wollen wir dich unterstützen, diese Fragen für dich persönlich zu beantworten. Denn: Jede Antwort auf diese Fragen ist so individuell wie du. Wir können dir keine Antworten auf die Fragen liefern, dir aber aufzeigen, was du bei deiner Reflexion beachten solltest. In diesem ersten Artikel wollen wir uns mit einer sehr allgemeinen, aber entscheidenden Frage befassen: Welche Optionen für meine Zukunftsplanung habe ich als Next Gen überhaupt? Kurzer Teaser: Es sind wirklich viele und dir stehen viele Türen offen. Wir wollen dir vereinfachte Wege und Praxisbeispiele aufzeigen, die sicherlich nur selten der Realität entsprechen. Als Orientierung helfen sie dir aber sicher weiter.

1. Die Eiligen: Von der Schulbank ins Familienunternehmen

Die erste Option ist natürlich, sich als Next Gen in einer Unternehmerfamilie dazu zu entschließen, die Nachfolge im Familienunternehmen anzutreten. Nach deiner Schulzeit könntest du direkt einsteigen, indem du dich für eine Ausbildung im eigenen Unternehmen entscheidest. Dafür spricht, dass du bereits sehr früh auch tiefe Strukturen des Unternehmens von innen heraus kennenlernst und verstehen kannst. So kannst du dich langsam im Familienunternehmen einfinden, deine Stärken entwickeln und im Rahmen der Nachfolge entweder die Geschäftsführung oder andere Positionen im Unternehmen, die dich begeistern, einnehmen. Das heißt aber auch, dass du bereits früh in gefestigte Strukturen eintauchst und dir eventuell der distanzierte Blick von außen auf interne Abläufe fehlt. Ein Beispiel hierfür ist Nico Rauschendorfer. Direkt nach der Schule hat er eine Ausbildung zum Schreinermeister in seinem Familienunternehmen Rauschendorfer GmbH, ein seit 1939 in Friedrichshafen ansässiges Familienunternehmen, absolviert und ist seitdem in diesem tätig.

2. Die Bumerange: Mit Abstand zurück

Um den gerade angesprochenen Blick über den Tellerrand zu wagen, kannst du auch erstmal Abstand vom Familienunternehmen gewinnen. Wir gehen nach wie vor davon aus, dass du dir vorstellen kannst, später im Familienunternehmen tätig zu sein, nach deiner Schulzeit aber erstmal Erfahrungen außerhalb sammelst. Dies können ein Auslandsjahr, eine Ausbildung in einem anderen Unternehmen oder ein Studium sein. Du nutzt die Chance, dich in Themen zu vertiefen, die dich begeistern, inspirieren und bestenfalls noch dabei unterstützen, deine Rolle in der Unternehmerfamilie zu finden. Andere Blickwinkel kennenzulernen, deinen Horizont zu erweitern und dich persönlich zu entfalten, trägt dazu bei, in der späteren Nachfolge einen anderen Blick auf die Dinge zu haben und manche Sachen auch in Frage zu stellen. In der Studie “Deutschlands nächste Unternehmergeneration” des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen (FIF) werden regelmäßig die Werte, Einstellungen und Zukunftspläne von Next Gens untersucht. Ein Ergebnis der Erhebung aus dem Jahr 2020 ist, dass 63,2% glauben zur Zeit der Nachfolge möglichst viel Erfahrung im eigenen Unternehmen gesammelt haben. Ein Beispiel für diesen Weg ist Wolfgang Grupp Junior, der nach seinem Masterstudium in London in das Familienunternehmen TRIGEMA eingestiegen ist. Jetzt verantwortet er vor allem die Sparte E-Commerce und bildet zusammen mit seiner Schwester die 4. Generation des Familienunternehmens.

3. Die Ausreißenden: der Blick in den anderen Kontext

Teil einer Unternehmerfamilie zu sein, heißt nicht automatisch, später die Geschäftsführung übernehmen zu müssen. Es gibt viele Wege, sich in der Unternehmerfamilie einzubringen (z.B. als GesellschafterIn, AngestellteR, BeraterIn oder im Beirat). Next Gens fühlen sich in der Nachfolgeposition oft unter Druck gesetzt: „Erwarten meine Eltern, dass ich ins Unternehmen einsteige? Eigentlich habe ich anfangs andere Pläne und will einen anderen Weg gehen.“ Auch dieser Plan ist mit der Identität als Teil einer Unternehmerfamilie gut vereinbar. Das wichtigste ist die Kommunikation mit deinen Eltern über deine Ziele und deine Wünsche. Begeisterst du dich stärker für andere Branchen oder Unternehmen, dann kannst du nach deiner Ausbildung oder deinem Studium auch erstmal einen Karriereweg in anderen Unternehmen einschlagen bevor du irgendwann beschließt, in das Familienunternehmen zurückzukehren. Wählst du einen Weg außerhalb des Familienunternehmens, kannst du dies sowohl in der gleichen Branche als auch außerhalb dieser Branche machen – dabei gibt es kein „richtig“ oder „falsch“. Die Kommunikation der eigenen Vorstellungen ist hier „key to success“ um einen geplanten und gut strukturierten Nachfolgeprozess anzustoßen. Hierfür spricht, dass du wirklich über den Tellerrand hinausblickst, erweitertes Branchenwissen erwirbst und deine Fähigkeiten bereits maßgeblich vor der Nachfolge weiterentwickelst. Ausreißende zu sein heißt einfach, am Anfang seiner Karriere in verschiedenen Branchen, Unternehmen oder Positionen tätig zu sein und später zurück ins Familienunternehmen zu kehren und dort tätig zu werden. Mit den gesammelten Erfahrungen kann man sich im Familienunternehmen noch stärker positionieren und seine Rolle besser finden – die Rückkehr ist allerdings kein Muss. In der Studie des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen stimmen 62,7% der Next Gens zu, relevante Berufserfahrungen außerhalb des eigenen Familienunternehmens in einer anderen Branche gesammelt zu haben. Ein Beispiel hierfür ist Julia Stadler. Julia Stadler kommt aus einem Familienunternehmen. Sie ist Multitalent. Innovationsberaterin bei Philoneos, Gründerin von FEMSTORY, und Künsterlin. Sie entschied sich zunächst ihren Weg außerhalb des Familienunternehmens zu gehen, aber vielleicht wird sie doch eines Tages von Berlin aus ihren Weg nach Ravensburg finden. 

4. Die Gründenden: den Gründungsmythos aufrechterhalten

Du bist Teil einer Unternehmerfamilie und möchtest den unternehmerischen Geist dieser weiterführen. Daher ist eine weitere Option, dass man in der Unternehmerfamilie die Rolle der Gründerin oder des Gründers ein nimmt. Hast du diese eine Idee, die dich nachts wachhält? Eine Idee, die dir immer wieder im Kopf rumgeistert? Dann könntest du überlegen, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Mit dem Familienunternehmen im Rücken hast du die idealen Startbedingungen, was Ressourcen, Kompetenz und Ratschläge angeht. Mit deiner Idee, wie du die Welt zu einem besseren Ort machen kannst, kannst du vielleicht sogar Synergien mit dem Familienunternehmen schließen. Bewegst du dich sogar in der gleichen Branche oder entwickelst eine Idee, die das Familienunternehmen direkt betrifft, kann auch das Konzept Intrapreneurship etwas für dich sein. Du gründest in deiner Position im Familienunternehmen ein Startup, das sich aus dem eigentlichen Unternehmen heraus entwickelt. Dabei sind schon wirklich spannende Projekte hervorgekommen wie zum Beispiel das Startup IONIQ, das aus dem Oberflächenspezialisten J. Wagner GmbH hervorgegangen ist. Das Unternehmen Wagner ist spezialisiert auf Oberflächenbeschichtungen und hat dieses Know-how auf die menschliche Haut angewendet, indem sie eine neue Art des Sonnenschutzes entwickelt haben. Dieses Wissen und das neue Produkt wurden im Rahmen der Gründung des Startups IONIQ aus dem Unternehmen ausgegründet und auf eigene Beine gestellt. Vielleicht denkst du mal darüber nach, wie du das Wissen im Familienunternehmen in anderen Kontexten anwenden kannst. Wie die Erhebung des FIF ergeben hat, denken ganze 38% wiederum, dass sie eigene unternehmerische Erfahrung zum Beispiel durch eine eigene Unternehmensgründung gesammelt haben. 

5. Die Multitalente: die hybriden Wege

Die ersten fünf Optionen, die wir in diesem Artikel vorgeschlagen haben, sind vereinfachte Wege, die in der Realität oftmals komplexer sind. Allerdings sind es Bausteine, die du bei deiner Rollenfindung in der Unternehmerfamilie bedenken kannst. Lange galt das Credo, dass du als Next Gen im Familienunternehmen nur zwei Optionen hast: ins Unternehmen einstiegen oder nicht. Simpel. Das heißt aber auch: Familienunternehmen = Unternehmerfamilie. Zumindest war das mal so. Mittlerweile richtet man den Blick eher auf das Konzept der unternehmerischen Familie und damit auf eine Bandbreit an individuellen Lebensentwürfen, die in der Unternehmerfamilie gebündelt werden. Für dich als Next Gen ist das eine wirklich tolle Entwicklung: Die simple Ja/ Nein-Situation wird von alternativen Modellen durchbrochen und eine Balance zwischen Familientradition und Selbstverwirklichung ist gut möglich. Nach einer Studie des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen können sich 45,5% aller Next Gens vorstellen selbst zu gründen. Wie in Punkt 4 beschrieben können so Synergieeffekte zwischen dem Familienunternehmen und den anderen Aktivitäten der Familienmitglieder entstehen. Next Gens können sich selbst verwirklichen, ihrer Leidenschaft nachgehen und nach wie vor eng mit dem Familienunternehmen verbunden zu sein. Next Gen zu sein heißt nicht zwangsläufig, die operative Geschäftsführung im Unternehmen anzutreten, sondern die Zukunftsfähigkeit der Unternehmerfamilie zu unterstützen. Dieses Verständnis von Verantwortung öffnet dir ganz neue Türen und eine unendliche Breite an hybriden Wegen. Hybride Wege zwischen Familienunternehmen und Selbstverwirklichung, die du für dich selbst entdecken kannst. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist Vincent Koch: Gründer, Gesellschafter, strategischer Berater. Vincent hat mit klarx eine Plattform für die Vermietung von Baumaschinen gegründet und ist nach wie vor Gesellschafter und strategischer Berater im Familienunternehmen, das sein Bruder leitet. 1982 gegründet ist das Familienunternehmen im Maschinenbau tätig. Hier zeigt sich sehr gut, welche Synergieeffekte durch die Entfaltung unternehmerischer Ambitionen in verschiedene Richtungen entstehen können.

Einen Weg außerhalb der Tätigkeit im Familienunternehmen zu gehen heißt nicht, das Familienunternehmen aufzugeben. Trennt man die Führungs- und die Gesellschafternachfolge, bleibt das Unternehmen in der Hand der Unternehmerfamilie und das Management wird durch Fremdgeschäftsführung geregelt. Man selbst bleibt Gesellschafter des Unternehmens und erhält somit die Familienwerte im Unternehmen. Im Prinzip musst du dich nicht zwischen Herausforderung oder Chance Familienunternehmen entscheiden, denn beides kann zugleich der Fall sein und das öffnet dir die Tür, deinen eigenen Weg zu finden.

Alle oben genannten Möglichkeiten sind nur Ansatzpunkte, wie du über deine Zukunft nachdenken kannst und welche Bausteine du verbinden kannst. Es gibt viele weitere Optionen, die für deine individuelle Situation womöglich noch besser geeignet sind. Wichtig ist, dass du Dir Gedanken über deine Zukunft machst und vorbereitet bist. Teil einer Unternehmerfamilie zu sein birgt eben Chancen ebenso wie Herausforderungen. Was wir dir wirklich mitgeben wollen ist die Erkenntnis, dass heutzutage nicht mehr die Ja/ Nein-Frage gilt, kein „Entweder“/ „Oder“ sondern Familienunternehmen und Selbstverwirklichung sehr gut kombinierbar sind, wenn nicht sogar enormes Potential bieten. Ein wirklich hilfreiches Konzept auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist das japanische „Ikigai.“ Dazu lest ihr in einem weiteren Artikel mehr. Bleibt gespannt!

Tipps zum Abschluss:

  1. Werde Dir über deine eigenen Wünsche für deine Zukunft klar.
  2. Öffne dich für alternative Wege zur Nachfolge.
  3. Sprich offen und ehrlich mit deinen Eltern über die Zukunft und die Nachfolge.
  4. Kommunikation ist das A und O – immer!
Geschrieben von Robert Schacherbauer, Autor bei Haus Next Insights

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